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  • Freitag, 13. November 2015,

    Zu viele Schwimmbäder im Landkreis St. Wendel?

    SchaumbergbadDie Kommunen im Saarland sind finanziell nicht auf Rosen gebettet. Während in vielen Städten und Gemeinden Süd- und Ostdeutschlands erhebliche Überschüsse in den kommunalen Haushalten erwirtschaftet werden (Überschuss der öffentlichen Haushalte im Jahr 2014: 6,4 Milliarden Euro, Quelle: Statistisches Bundesamt), tun sich in unserer Region erhebliche Lücken in den kommunalen Kassen auf.

    Dieser Umstand führt zwangsläufig zu einer Diskussion der öffentlichen Infrastruktur. Diese äußert sich im Saarland nach Bekanntwerden des „Junkernheinrich-Gutachtens“ im März 2015 vor allem in einer Diskussion zur Bäderlandschaft.

    Darin bemängelt der Gutachter, ein Professor für Stadt-, Regional- und Umweltökonomie aus Kaiserslautern, u.a. die komfortable Ausstattung mit öffentlichen Schwimmbädern in der Region. Dies betrifft auch den Landkreis St. Wendel, da es hier insgesamt sieben Hallen- oder Freibäder gibt, die neben Südwestdeutschlands größtem Badesee bestehen, und die Kommunen hoch verschuldet sind.

    Nach der ersten Diskussion bemühen sich viele Lokalpolitiker der Region darum, die Wichtigkeit ihres Bades hervorzuheben und stellen dabei beispielweise die soziale Funktion der jeweiligen Einrichtung heraus. Ein weiteres ihrer Argumente ist die Bedeutung von Schwimmbädern für den Schulsport.

    Diese mögen alle richtig sein, aber sie helfen in Zeiten großer finanzieller Not bei den Kommunen nicht. So erwirtschaftet allein das Tholeyer Schaumbergbad ein jährliches Defizit von rund 900.000 Euro. Das sind pro Einwohner allein rund 75 Euro im Jahr. Bei den anderen Bädern im Landkreis sieht es nicht viel besser aus. Es wäre also an der Zeit zu handeln.

    Das tat der Kreistag auch vor der Sommerpause und beschloss, sich ab dem Jahr 2017 mit 25 Prozent an den jährlichen Ausgaben des Schaumbergbades zu beteiligen.

    Allerdings fühlten sich einige Kreisgemeinden nicht fair behandelt, da sie sich zum einen nicht richtig informiert fühlten und zum anderen das Defizit des Schaumbergbades über die von den Gemeinden an den Kreis zu zahlenden Kreisumlage mitfinanzieren. Landrat Udo Recktenwald entgegnete, dass es sich beim Schaumbergbad um einen touristischen Leuchtturm, ähnlich dem vom Kreis finanzierten Bostalsee, handele und man außerdem ein Bäderkonzept für das St. Wendeler Land aufstellen wolle.

    Das ist im Hinblick auf die Kommunalfinanzen auch ein folgerichtiger Schritt. Aber auf eins müssen sich die Bürgerinnen und Bürger in Zukunft sicher einstellen: Nicht die gesamte öffentliche Infrastruktur kann so wie bisher aufrechterhalten werden. Es wird sicherlich Einschnitte geben. Warum sollte man auch nicht die Bäder bündeln und Standorte schließen?

    Es ist einem Jugendlichen aus Primstal durchaus zuzumuten, mit dem öffentlich finanzierten Busverkehr zum aus Steuermittel bezahlten Bostalsee oder Freibad nach St. Wendel zu fahren. Da braucht es nicht auch noch ein Natur-Freibad direkt im Ort. Dies mag zwar bequem sein, finanzierbar ist es aber schon lange nicht mehr. Auch im Sinne der zukünftigen Generationen ist eine Diskussion über die Bäderlandschaft nur folgerichtig.

    Foto: Redaktion

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