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  • Freitag, 19. Juni 2020,

    Wndn-Leser haben abgestimmt: Kindesmissbrauch muss Verbrechen werden

    Derzeit wird in der Politik heftig darüber diskutiert, ob der Tatbestand Kindesmissbrauch weiterhin ein Vergehen bleiben oder als Verbrechen eingestuft werden soll. Wndn.de hat bei seinen Lesern im St. Wendeler Land nachgefragt, ob das aktuell geltende Strafmaß aus ihrer Sicht ausreichend ist oder sie, wie viele Politiker auch, dafür sind, dass Kindesmissbrauch, sowie der Besitz, Verkauf und Erwerb von Kinderpornographie als Verbrechen geahndet werden soll.

    Ganz klares Ergebnis:

    Insgesamt haben 589 Personen abgestimmt. Dabei stimmten rund 97% (570 Stimmen) dafür, dass Kindesmissbrauch als Verbrechen gewertet werden soll. Rund 3% (19 Stimmen) dagegen halten das aktuell geltende Strafmaß für angemessen.

    Stimmen aus der Politik:

    Auch in der aktuellen Debatte ist die Mehrheit der Politiker offenbar dafür, dass der Tatbestand des Kindesmissbrauchs künftig als Verbrechen und nicht weiter als Vergehen geahndet wird. Die abscheulichen Ereignisse in Münster in Nordrhein-Westfalen brachten diesem Thema bundesweit viel Aufmerksamkeit. NRW-Innenminister Herbert Reul fand dazu ganz klare Worte: „Für mich ist sexueller Missbrauch wie Mord. Damit wird das Leben von Kindern beendet – nicht physisch, aber psychisch.“ Bundesjustizministerin Christine Lambrecht wies die Forderungen der Union nach einer Strafverschärfung bei sexuellem Missbrauch jedoch zunächst zurück. Dies begründete sie darin, dass die strafrechtlichen Mittel ausreichend seien.

    Aktuell gilt nach Paragraf 176 des Strafgesetzbuches ein Strafmaß von sechs Monaten bis zu zehn Jahren für Täter, die sexuelle Handlungen an Kindern unter 14 Jahren begehen. Bei schwerem Missbrauch sind es bis zu 15 Jahren und auch bei Ersttätern kann eine anschließende Sicherheitsverwahrung angeordnet werden.

    Später sprach sich Lambrecht auch für härtere Strafen aus. Sie sagte, es müsse ohne Wenn und Aber klar sein, dass Kindesmissbrauch Kinderseelen zerstöre und jedem Täter klar sein müsse, dass es sich dabei um ein Verbrechen handele, dass entsprechende behandelt werde.

    Was würde sich ändern, wenn Kindesmissbrauch als Verbrechen geahndet wird?

    Der Unterschied zwischen einem Vergehen und einem Verbrechen ist unter anderem die Mindeststrafe. Diese ist es auch, die die Debatte mitunter ausgelöst hat. Viele fordern, dass Täter mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr rechnen müssen. Laut Paragraf 12 Strafgesetzbuch werden Vergehen im Mindestmaß mit einer geringen Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe bedroht, Verbrechen hingegen im Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr.

    Warum wurde Kindesmissbrauch vom Gesetzgeber als Vergehen eingestuft?

    Durch die Einstufung des Strafbestandes als Vergehen bleibt es möglich, dass ein Strafverfahren unter Auflagen eingestellt oder ein Täter im schriftlichen Strafbefehlsverfahren verurteilt werden kann. Den betroffenen Kindern kann in diesen Fällen erspart bleiben, in einer mündlichen Verhandlung als Zeuge aussagen zu müssen.

    Zurzeit wird wieder heiß über diese Thematik diskutiert. Bleibt zu hoffen, dass ihr weiterhin genug Aufmerksamkeit zuteil wird, damit ein eindeutiges Zeichen gesetzt wird.

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