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  • Sonntag, 15. September 2019,

    Wndn auf Tour: Mit Benzin im Blut auf der IAA

    Frankfurt. Durch das Herz der Börsenstadt fließt dieser Tage eine Menge Benzin. Denn die Tore der IAA (Internationale Automobil Ausstellung) wurden am Donnerstag offiziell geöffnet. Nachdem die Presse aller Welt schon am Dienstag und Mittwoch in das Reich der Zukunft der Mobilität eintreten durfte, konnten am Donnerstag und Freitag dann die Fachbesucher bestaunen, was die Automobilkonzerne Neues liefern. Ab Samstag ist die Messe dann für alle Zuschauer frei zugänglich. Doch was erwartet den Zuschauer überhaupt? 

    Nachdem viele große Marken, wie Fiat, Rolls-Royce oder Volvo schon im Vorfeld bekannt gaben, dass sie nicht vertreten sein werden und Marken wie BMW ihr Budget für die Messe drastisch reduzierten, stellt sich vielen Besuchern die Frage, ob es sich überhaupt lohnt die IAA 2019 zu besuchen. Eine allgemein gültige Antwort hierauf kann man wahrscheinlich nicht geben. Wer Fahrzeuge der klassischen Marken betrachten will, die er sich danach vielleicht auch kaufen möchte, sollte vielleicht lieber verzichten und einem Autohaus einen Besuch abstatten. Das ist deutlich entspannter und bringt den gleichen Erfolg mit sich. Wer sich aber für die Entwicklungen in der Zukunft im Allgemeinen und die Marktsituation im Automobilsektor interessiert, wird hier immer noch seinen Spaß haben.

    Denn die Trends kann man auf dem Messegelände sehr schnell ablesen. Sie lauten „Shared Mobility“, „Personalifizierung“, „vernetztes Fahren“ und „Alternative Treibstoffkonzepte“. Diesen vier Megatrends folgen so gut wie alle Marken auf irgendeine Weise. So sieht man auf der Messe deutlich weniger Diesel- oder Benzinmotoren, als Hybrid- oder Elektrofahrzeuge. Die interessanten Neuvorstellungen geschehen fast nur noch in diesem Sektor. 

    Porsche Taycan

    Besonders stechen hierbei die Fahrzeuge im Luxusbereich hervor. So stellt Porsche den neuen Taycan vor, der das derzeit stärkste Serien-Elektroauto ist. Dabei ist dieser Porsche das erste Auto, das mit bis zu 761 PS und bis zu 450 km Reichweite den Modellen von Tesla voraus ist. Mit seinem klassischen Porsche Design und einem erstaunlich großen Kofferraum bietet dieses Elektrofahrzeug auch fürs Auge jede Menge Spaß. 

    Lamborghini Sián

    Noch mehr Spaß hatte Lamborghini bei der Vorstellung des Sián. Das 12V Hybrid Fahrzeug hinterließ bei fast allen Besuchern einen bleibenden Eindruck. Das futuristische Design des schmucken „Blitz“ ließ ein gehauchtes „geiles Geschoss“ über manche Lippen kommen. Spaß hätte man hiermit allemal, ob er sich dann aber für die Straßen des Landkreises eignet, bleibt zu bezweifeln. 

    Vernünftigere Betrachter wandten sich dann doch eher dem VW ID.3 zu, der seine große Premiere in Frankfurt feierte. Der vollelektrische Kompaktwagen besticht durch Platz im Innenraum und unkomplizierte Puristik. Ein praktisches Alltagsauto, mit dem VW in eine neue Ära starten möchte. Viele Besucher hätten sich von VW dann aber doch lieber die Vorstellung des neuen Golf 8 gewünscht, mit der sie sich jedoch noch bis Oktober gedulden müssen. 

    VW ID.3

    Aber nicht nur komplett Neues wird auf den Markt gebracht, auch Neuinterpretationen erwarten die Zuschauer. So zum Beispiel der Land Rover Defender. Der wohl bekannteste Land Rover kommt nun mit Mild-Hybrid-Antrieb und voll vernetzt daher. Optisch bleibt er dabei immer noch eher ein Exot für den klassischen Geländewagenliebhaber. 

    BMW i8

    Design-Liebhaber kommen bei BMW nicht unbedingt auf ihre Kosten. Die neue BMW Niere kommt bullig daher, was sie für den subtilen Sportdesign-Liebhaber etwas zu protzig macht. Eingebaut bei allen Modellen wirkt sie vor allem am neuen 1er, der nun auch mit Frontantrieb kommt, wenig subtil. Hiermit könnte sich BMW jedoch auch wieder deutlich von der Konkurrenz abheben. 

    Direkt bei BMW angesiedelt, stellt MINI das 60 Jahre Sondermodell vor, das mit viel Liebe zum Detail optisch perfekt daherkommt. Für MINI-Fans ein absolutes Muss. 

    Bei MINI schon immer ein großes Thema, aber auch auf der kompletten Messe präsent, ist die Personalisierbarkeit der Fahrzeuge. Bei MINI lassen sich Innenraumverkleidungen komplett wechseln, um mit Namen oder eigenen Details Versehene einzubauen. Auch veganes Leder beginnt langsam ein Thema in der Automobilbranche zu werden. So bieten viele Marken ihren Kunden die Möglichkeit, Haptik und Komfort eines Lederbezugs mit einem guten Gewissen zu erhalten. 

    Dominant erscheint der asiatische Markt auf der Messe. So stellt Hyundai aus Korea den Nexo, ein Brennstoffzellenauto, das seinen Strom selbst produziert, vor. Honda stellt mit dem E einen rein elektrischen Kleinwagen im Retro-Design vor und der Luxuskonzern Wey hat gleich zwei Konzeptautos, einen Versuchsträger fürs autonome Fahren und ein reines Elektroauto mitgebracht, mit denen sie dem europäischen Markt zeigen wollen, wie man Zukunft macht. Vergessen haben sie hierbei leider, dass die Frankfurter Pressevertreter kein Chinesisch sprechen, denn die Pressekonfernz wird komplett auf Chinesisch, zwar direkt ins Land übertragen, hinterlässt jedoch bei den Journalisten am Main nur ratlose Gesichter. Ob dieses Selbstbewusstsein sie so weit kommen lässt, wie sie sich jetzt schon sehen, bleibt abzuwarten. 

    Deutlich weniger selbstbewusst, als in den Jahren davor, erscheint der Messestand von Mercedes. Was jedoch einem Erstbesucher wohl kaum auffallen wird, da das deutsche Unternehmen immer noch mit einer gigantischen Halle und faszinierenden Elementen auf der IAA vertreten ist. Dabei zeigt Mercedes den Vision EQS, eine elektrische Luxuslimonsine der Zukunft. Ihm wird jedoch leider vom absolut grandiosen Design des neuen Silberpfeils, der bereits 2018 vorgestellt wurde, die Show gestohlen. Der elektrische Silberpfeil besticht durch die modernere, aber klar erkennbare Silhouette des Klassikers, 750 PS und ein futuristisches Cockpit. Wenn er auch keineswegs vernünftig wäre, wünschen sich doch einige Besucher zumindest eine Probefahrt. Der Silberpfeil bietet jedoch nur Platz für eine Person, womit dieses Erlebnis nicht geteilt werden könnte. 

    Teilen bleibt allerdings ein großes Thema der IAA 2019. Denn vor allem in den Städten haben nur wenige Menschen den Luxus, Platz für ein eigenes Auto zu haben. In Hochhauskomplexen steht nur selten ein Stellplatz fürs Fahrzeug bereit, sodass immer mehr Firmen auf das Thema „Shared Mobility“ zurückgreifen. Hierzu bieten sich die Elektroautos sehr gut an, sodass die Konzerne vor allem auf CarSharing Plattformen oder Taxiservices abzielen, wenn sie Cityflitzer mit Elektromobilität ausstatten. BMW bringt hier auch gleich ein eigenes Produkt auf den Markt, indem sie das bekannte DriveNow weiter ausbauen und noch viele weitere Möglichkeiten für ihre Kunden bereithalten. Aber auch Anbieter, die man gar nicht unbedingt auf der IAA suchen würde, zeigen spannende Konzepte zum Thema „Shared Mobility“. So stellt zum Beispiel Vodafone ein Tool vor, mit dem man ein Auto mithilfe des Fingerabdrucks öffnen und mit seinen persönlichen Daten ausgestattet nutzen kann. 

    Spannende Konzepte entwickeln auch die Reifenhersteller. Ob luftlose Reifen bei Michelin oder Reifen, die mit Hilfe von Sensoren selbstständig mitteilen, welches Flottenfahrzeug als nächstes in die Werkstatt muss, und welche Art der Reparatur der Reifen benötigt. Auch Reifen, die mithilfe eingebauter Druckluftkammern den Reifendruck selbstständig regulieren, was beim autonomen Fahren von erheblicher Bedeutung sein wird, stellt Continental an ihrem Messestand vor. Denn ein Reifen ist längst nicht nur ein bisschen schwarzes Gummi. 

    Ansonsten werden noch viele spannende Technologien vorgestellt, die jedoch häufig optisch nicht viel hergeben. Ein Problem, dass die Messe für den ein oder anderen uninteressant erscheinen lässt. Doch genau diese Entwicklungen sorgen dafür, dass die Mobilität überhaupt weitergedacht werden kann. 

    Damit die Besucher optisch nicht zu wenig bekommen, wurde 2019 zum ersten Mal in Halle 4 eine komplette Oldtimerabteilung errichtet. Einige absolute Schmuckstücke werden hier gezeigt und zum Kauf angeboten. Wer also gerade 100.000 Euro übrig hat, kann hier schnell fündig werden. Ob das jedoch ist, was der durchschnittliche IAA-Besucher sehen möchte, wagen doch viele zu bezweifeln. Ein Versuch war es jedoch wert, davon abzulenken, dass einige Hallen gar nicht oder nur zur Hälfte gefüllt sind. 

    Mit dem geschmälerten Programm hat man allerdings auch die Möglichkeit, wirklich alles zu sehen und nicht im Vorfeld entscheiden zu müssen, welche Hallen man auslässt. 

    Für alle, die sich aber mit neuen Fahrzeugen und Zukunftsentwicklungen auseinandersetzen möchte, kann also trotz allem eine absolute Empfehlung für die IAA 2019 ausgesprochen werden.

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