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  • Sonntag, 21. Juni 2020,

    Wir sind eins- ein Interview mit dem Kameruner Franck über Rassismus

    Viele Menschen werden tagtäglich Opfer von Anfeindungen, die ihnen aufgrund ihres Erscheinungsbildes oder ihres Ursprungs widerfahren. Angefangen bei Diskriminierungen im Alltagsgeschehen über konkrete Beleidigungen, Hetze, Drohungen und geschürten Hass im Internet bis hin zu rassistisch motivierten Gewalttaten.

    Wir haben mit dem Kameruner Franck über Rassismus und seine Auswirkungen gesprochen.

    Wndn.de: „Franck, kannst du unseren Leserinnen und Lesern etwas über dich erzählen?“

    Franck: „Gerne. Mein Name ist Franck, ich bin 28 Jahre alt und komme aus Zentralafrika, genauer gesagt aus Kamerun. Seit mittlerweile neun Jahren lebe ich im Saarland, zeitweise auch in St. Wendel. Ich bin damals nach Deutschland gekommen, um  mich weiterzubilden und mir ein gutes Leben zu ermöglichen. Außerdem lebten damals Verwandte hier, so hatte ich Vertraute in der Nähe. Nach einem Studium, das letztendlich nicht das Richtige für mich war, absolviere ich heute eine Ausbildung zum Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker und bin damit sehr zufrieden.“

    Wndn.de: „Wie ist das Leben hier im Saarland für dich?“

    Franck: „Ich fühle mich in Deutschland relativ wohl, aber leider bin ich weit weg von meiner engsten Familie, die ich sehr vermisse. Ohne die Familie ist das Leben nicht ganz so schön, aber ich bin sehr froh, dass ich tolle Freunde und eine wunderbare Partnerin gefunden habe, die mich glücklich machen und mir immer zur Seite stehen. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Chance bekommen habe, mir in Deutschland ein sicheres Leben mit Zukunft aufzubauen. Da, wo ich herkomme, ist das alles andere als selbstverständlich. In Afrika herrscht viel Armut und Unzufriedenheit und die Chancen sind nicht annähernd so vielfältig, wie in Deutschland. Alle Menschen, die hier leben dürfen, sollten sich glücklich schätzen und dankbar sein.“

    Wndn.de: „Wie sind deine Erfahrungen in Bezug auf Rassismus?“

    Franck: „Als ich noch nicht lange in Deutschland gelebt hatte, nahm ich einen Studentenjob an. Dort gab es einen jungen Mann, der mit meinem Erscheinungsbild wohl nicht einverstanden war und mir dies auch deutlich zu verstehen gab. Äußerungen wie „Geh zurück zu den Affen!“ waren an der Tagesordnung.“

    Wndn.de: „Unmöglich. Wie gehst du mit solchen Beleidigungen um? Ignorierst du sie oder konterst du?“

    Franck: „Ich ignoriere sie und stehe drüber. Es ist es nicht wert, Kraft zu verschwenden, um zu versuchen engstirnige Menschen von etwas überzeugen zu wollen, von dem sie überhaupt nicht abweichen wollen. Da kann ich meine Zeit wirklich sinnvoller investieren. Bin ich weniger wert, weil ich eine andere Hautfarbe habe? Bin ich weniger wert, weil ich anders aussehe und aus einem anderen Land stamme? Nein! Ich habe den gleichen Respekt verdient, der jedem anderen Menschen auch gebührt!“

    Wndn.de: „In einer Testsituation des „Bike Theft Test“ sollten nacheinander ein kaukasischer männlicher Akteur, ein afrikanisch abstammender männlicher Akteur und eine kaukasische Akteurin ein Fahrradschloss in einem öffentlichen Park mit den gleichen Werkzeugen aufbrechen. Die Reaktionen der Parkbesucher/innen fallen bei der kaukasischen Frau eher wohlwollend aus. Den kaukasischen Mann lässt man vorwiegend gewähren, dem afrikanisch abstammenden Mann gegenüber reagieren die Besucher/innen hingegen gereizt, eingreifend und repressiv. (Quellenangabe: Bundeszentrale für politische Bildung)

    Was ist deiner Meinung nach der Grund, warum manche Menschen rassistisch eingestellt sind?“

    Franck:„ Menschen hören etwas Negatives über bestimmte Personen oder bekommen verwerfliche Taten dieser mit und schon werden alle Menschen dieser Personengruppe über einen Kamm geschert- das geht einfach nicht!  Jeder Mensch ist anders, ganz egal, ob er schwarz oder weiß ist.

    Ich denke auch, dass das soziale Umfeld, die Erziehung von klein auf und die Macht der Medien hier bedeutsame Faktoren darstellen, die Menschen beeinflussen.“

    Wndn.de: „Was sagst du zu dem, was mit George Floyd passiert ist?“

    Franck: „Ich bin bestürzt und es macht mich sehr traurig. Es ist eine Schande, dass so etwas passiert.  Leider gibt es zu viele Fälle solcher Unmenschlichkeit, es ist unglaublich und unfassbar. Als ich anfing, das Video anzuschauen, kamen Übelkeit, Aggression, aber vor allem Unverständnis in mir hoch. Ich konnte und wollte es mir nicht mehr anschauen.

    Gerade in einem Land, in dem die Sklaverei lange andauerte und eine prägnante Rolle spielte, sind solche Bilder nur schwer zu ertragen. Es geht mir nicht in den Kopf, dass eine Weltmacht wie die USA es ist, die Menschen nicht schützt. Dass die Staatsgewalt Menschen mit anderer Hautfarbe immer noch so behandelt und die Täter nicht ausreichend bestraft werden, ist nicht nachzuvollziehen und absolut inakzeptabel. Wie viele sind davon gekommen? Wie viele Täter handeln derartig- Tag ein, Tag aus- ohne dass es bemerkt oder hart genug geahndet wird?“

    Wndn.de: „Was denkst du über die Ausschreitungen und  Proteste, die gerade in der Welt immer wieder thematisiert werden?

    Franck: „Ich finde es sehr wichtig, dass Menschen, egal welcher Herkunft und ganz gleich welchen Aussehens, aufstehen, auf die Straße gehen, sich engagieren und etwas gegen die Umstände tun möchten. Wenn es darum geht friedlich- und das betone ich ausdrücklich- die Menschen zum Umdenken anzuregen, eine wichtige Thematik aufzugreifen und Druck auf die Politik auszuüben, dann befürworte ich das. Gewalt und ähnliche Missetaten um eine Message zu verbreiten, lehne ich grundlegend ab!“

    Wndn.de: „Hast du schon einmal Gewalterfahrungen, die in Verbindung mit deiner Hautfarbe gestanden haben, gemacht?“

    Franck: „Ich bin froh, dass ich weder mit der Staatsgewalt noch mit anderen Menschen derartige negative Erfahrungen gemacht habe. Es gibt immer wieder Personen, die versuchen mich zu provozieren, aber darauf lasse ich mich keinesfalls ein, genau das möchten solche Leute bezwecken und da spiele ich nicht mit.“

    Wndn.de: „ Rassismus – hast du eine Idee, was wir dagegen tun können?“

    Franck: „Viele Leute müssen endlich aufhören Vorurteile gegenüber „anderen“ Menschen und Kulturen zu hegen.  Es ist wichtig, dass man sich niemals von der Meinung anderer beeinflussen lässt. Man muss die Menschen kennenlernen und ihnen eine Chance geben.“

    Wndn.de: „Was ist dein persönliches Statement zum Thema Rassismus?“

    Franck: „ Ich finde es traurig und ungerecht, dass wir heutzutage- wohlgemerkt im Jahre 2020-  immer noch über Rassismus reden und er allgegenwärtig ist. Es geschehen solche schrecklichen Dinge und ich kann es einfach nicht verstehen, dass nicht alle Menschen gleich behandelt werden, ganz egal welche Hautfarbe sie haben oder welcher Herkunft sie entstammen. Man kann und darf einen Menschen nicht an sowas ausmachen, ihn vorverurteilen oder gar schlechter behandeln. Ich hoffe, dass wir eines Tages weiter sein werden und dass die Welt vor allem in dieser Hinsicht endlich besser sein wird, wie es Martin Luther King mit seiner berühmten Rede „I Have a Dream“ beschrieb.“

    „Ich habe einen Traum. Dass meine vier Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.“ [Martin Luther King]

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