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  • Sonntag, 19. Juli 2020,

    Wenn’s mal wieder an der Haustür klingelt – Auf dem Land wird besonders viel bestellt

    Während man vielleicht vermutet, dass vor allem in Städten viele Päckchen ankommen, klingeln vor allem in ländlichen Regionen die Paketdienste sehr häufig. Dieser bundesweite Trend lässt sich auch im Saarland erkennen. Wenn auch die Saarländer im Schnitt tendenziell weniger bestellen als die Menschen in anderen Bundesländern. Im Regionalverband Saarbrücken waren es einer Auswertung des Kurier- und Paketdienstspezialisten MRU nur 18,8 Pakete im Jahr pro Person, während im Kreis St. Wendel knapp 22 Pakete pro Person ankamen. Wenn man alle 401 Landkreise bundesweit vergleicht, belegt das Saarland jedoch eher hintere Bereiche. So kommt sogar der Landkreis St. Wendel im bundesweiten Vergleich nur noch auf den 240. Platz. Am meisten wird im Kreis Südwestpfalz bestellt. Mit 31,7 Paketen pro Kopf bestellen die Bewohner dort am meisten. In Millionenstädten wie Berlin oder Hamburg liegt die Quote mit rund 20 Paketen hier deutlich darunter.



    Doch warum bestellt die Landbevölkerung überhaupt so viel? Der Marktspezialist MRU verweist darauf, dass Supermärkte, Dorfläden und Fachmärkte in ländlichen Regionen immer stärker ausdünnen und nur selten fußläufig erreichbar sind. Wenn diese Läden überhaupt noch vorhanden sind, sind sie in den vergangenen Jahren aufgrund der Verbreitung von Filialisten vermehrt in die Randlagen abgewandert. Dies führt laut MRU nicht nur zu einer zunehmenden Verödung der Ortskerne, sondern auch dazu, dass selbst die innerorts ansässige Bevölkerung vornehmlich auf den Privat-Pkw zurückgreift. Immobile Personen, die entweder körperlich eingeschränkt sind oder kein Fahrzeug besitzen, geraten somit immer stärker ins Hintertreffen. Auch im Gesundheitsbereich und bei Gütern des täglichen Bedarfs, wie zum Beispiel Kleidung, ist die ländliche Region oft abgehängt. Hierbei bietet der E-Commerce ein enormes Potenzial zur Verbesserung der Versorgungssituation und damit eine Möglichkeit, die Lebensbedingungen an das Niveau der Städte anzunähern.

    Vor allem beim Online-Giganten Amazon macht sich diese Entwicklung bemerkbar. Seit vor 25 Jahren das erste Buch durch Amazon verkauft wurde entwickelte sich das Unternehmen rasant und stetig. Mit insgesamt 849 Mio. Paketen (Marketplace und Retouren eingeschlossen) war Amazon im vergangenen Jahr der mit Abstand wichtigste Kunde im deutschen Paketmarkt. Bei allen Sendungen im Privatkundenbereich hat Amazon einen Marktanteil von 28%. Vor allem Elektroartikel werden online gekauft, sowohl bei Amazon (95 Millionen Pakete) als auch im allgemeinen. Hierbei spielt es eine große Rolle, dass man sich online schnell über das gewünschte Produkt informieren kann, Technische Daten und Produktvideos vorliegen und vermehrt im stationären Handel das Gefühl aufkommt, dass das Verkaufspersonal nicht immer auf dem technisch allerneusten Stand ist.Nach Elektroartikeln folgen im allgemeinen die Bekleidungspakete und bei Amazon Büchersendungen (91 Millionen Pakete).

    Die Zahlen vom vergangenen Jahr sehen für den regionalen Handel schon eher schwarz, wie sich die Corona-Krise auf diese auswirkt, bleibt noch abzusehen. Bei der Wirtschaftsförderung St. Wendeler Land rät man Händlern deshalb vermehrt auf den „hybriden Handel“, also der Kombination aus stationärem und Online-Handel, zu setzen. Auch das Projekt Smart-Village greift dieses Prinzip auf. So können in den Dörfern Lebensmittel aber auch Güter des täglichen Bedarfs über die Plattform „keep fresh“ bestellt und in Dorfgemeinschaftshäusern, Kindergärten oder an anderen Treffpunkten abgeholt werden. Damit wurde die Nahversorgung gesichert und eine Möglichkeit zu Gesprächen im Dorf installiert. Auch wenn dies noch keine gefährliche Konkurrenz für Amazon darstellt, bietet es die Möglichkeit regional ansäßige Unternehmen zu erhalten, Versorgung zu sichern und Lieferketten kürzer, als bei Amazon zu gestalten, was enorm zur Umweltverträglichkeit des Online-Bestellens beiträgt. 

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