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  • Dienstag, 14. April 2020,

    Wenn der Mädchentraum dich nicht mehr schlafen lässt – Wie Corona meine Hochzeit gefährdet

    „Jetzt kann nichts mehr schief gehen“ ein Satz der mich vor 8 Wochen freudestrahlend mein Brautkleid kaufen ließ. Damit war dann auch das letzte komplizierte Puzzleteil der Hochzeit gesammelt. Niemand hatte mir zugetraut innerhalb eines halben Jahres eine Hochzeit auf die Beine zu stellen. Wer sich im Dezember verlobt, kann nicht im Sommer schon heiraten. Und doch war die Traumlocation gebucht, der Pastor gefunden und das Büffet ausgesucht. Nachdem ich mich im Spiegel sah und „Ja“ zu einem Kleid sagen konnte, schien alles perfekt. Das war es dann auch – ungefähr noch eine Woche. 



    Bis meine Trauzeugin in Mailand ihre Wohnung nicht mehr verlassen durfte und auch bei uns klar wurde, dass Corona noch die eine oder andere Hochzeit platzen lässt. Erste Zweifel kamen auf, aber ach, bis nach Ostern wird das schon vorbei sein. So dachte ich noch Anfang März und bastelte munter weiter an Candybar-Tütchen, Herzgirlanden und Freudentränen-Taschentüchern. Die Tränen kamen dann auch, doch früher als gedacht und nicht unbedingt aus Freude. Denn immer häufiger kamen mir Zweifel.

    Klappt das mit dem Standesamt an Osterdienstag? Können wir in der momentanen Lage Einladungen verschicken? Ist feiern überhaupt Ende Juli wieder möglich? Werden unsere Gäste dann kommen oder haben sie Angst?

    Irgendwo zwischen Corona-News und der Frage welches Band jetzt für die Schleifen gekauft wird, zerbrach ein Mädchentraum. Schon mit 14 fing ich an, von meiner Hochzeit zu träumen, als Messdienerin war ich bei jeder Hochzeit im Ort dabei und stellte mir jedes mal vor, irgendwann auch als Braut vorm Altar zu stehen. Aber so hatte ich mir das mit der Vorbereitung zu meinem persönlichen Traum sicherlich nicht vorgestellt. 

    Bastelaktionen wurden auf Grund von Social-Distancing und der leisen Ahnung, dass ich urplötzlich zu weinen anfangen würde, komplett eingestellt. Jedes Öffnen des Pinterest-Kontos versetzt dem Herz einen kleinen Stich. Und das Thema Hochzeit bleibt weitestgehend totgeschwiegen. 

    Unser Standesamttermin heute wurde verlegt. Ganz unproblematisch konnten wir in den Juni ausweichen. Da keine große Planung dadran hing, ist das auch gar nicht so schlimm. Ich habe mir dann statt eines Brautstraußes einen kleinen Troststrauß gekauft. Damit ist die Sache erledigt. 

    So einfach würde ich mit einer Verschiebung des „wichtigsten Tag meines Lebens“ aber nicht klarkommen. 

    Doch ich weiß, dass ich nicht das einzige Mädchen bin, dessen Hochzeitsträume gerade platzen könnten. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach Leidensgenossinnen gemacht und gefunden. Die Ungewissheit zerrt am meisten an unseren Nerven, kaum Dienstleister kamen auf Paare zu, nirgends erhält man Informationen, wann, wie, was wieder gefeiert werden darf. Nicht Wenigen ging es wie mir und es flossen bereits einige Tränen. Gerade wenn bereits viel Liebe in das Basteln gesteckt wurde und vieles weggeworfen werden muss, weil dann doch ein Datum draufsteht, da blutet einem das Herz. Selbstverständlich wissen wir alle, dass die eigene Hochzeit nicht das Wichtigste auf der Welt ist, die Gesundheit unserer Liebsten liegt uns am Herzen und steht an allererster Stelle und trotzdem hofft man eben, dass es irgendwie noch besser wird und doch alles stattfinden kann. Diese Hoffnung hat eine Braut schon aufgeben müssen. Genau wie meine eigene standesamtliche Hochzeit, kann ihre Hochzeit Mitte April nicht wie geplant stattfinden. Besonders schwer war es für sie, den Gästen wieder abzusagen. Ohne, dass man jemanden in den Arm nehmen kann und einfach mal Nähe spürt, tut diese Anrufaktion besonders weh. Und auch wenn es Freunde immer gut meinen, wenn sie einem mitteilen, wie sie mit einem mitfühlen, irgendwo zwischen „positiven Gefühlen darüber, wenn man sich erinnert, dass alles geplant ist und nur ein neues Datum her muss und der Angst dann wirklich abzusagen“, tut genau das richtig weh. 

    „Ach verschieb doch einfach aufs nächste Jahr, dann habt ihr jetzt nicht den Bammel, dass noch alles abgesagt werden kann und könnt entspannen“- Das mag rational betrachtet absolut stimmen, aber wenn erstmal ein Verlobungsring am Finger minütlich an den bevorstehenden Tag erinnert, klappt das mit dem rational denken zugegebenermaßen nicht mehr ganz so gut. 

    Dabei sind die meisten Dienstleister sogar ziemlich entspannt und verlangen keine Gebühren solange der Termin nur verschoben wird. Somit sind finanzielle Problem, bis auf die Einladungen und einige Bastelsachen fast nicht vorhanden. Nicht selten dauert es aber 1-2 Jahre bis in der Traumlocation wieder ein Termin frei ist oder ein Kind oder Hausbau sind geplant. Da funktioniert Verschieben nicht immer einfach so. Noch schwieriger wird es, wenn liebe Verwandte schon alt oder schwer krank sind. So ist es auch bei einer Braut, mit der ich mich unterhalten hatte, deren Cousin eine Hochzeit später vielleicht nicht mehr erleben würde. Da hilft einem nur noch die Hoffnung, dass irgendwie doch alles klappt. 

    Ich hoffe auch weiter für uns alle, dass unser großer Tag genau zum richtigen Zeitpunkt kommen wird. Diesen Sommer, im Winter oder um Jahre verschoben. Und dann werden wir eine perfekte Hochzeit haben und endlich die Freudentränen-Taschentücher für die glücklichen Tränchen einsetzen müssen. 

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