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  • Mittwoch, 1. Juli 2020,

    Versetzung gefährdet?! Im nächsten Halbjahr muss sich 2020 echt anstrengen – Kolumne

    6 Monate haben wir hinter uns. Schon wieder ist ein halbes Jahr vorbei. Ein halbes Jahr, in dem die „Goldenen 20er“, von denen manche – mich eingeschlossen – Anfang des Jahres noch träumten, sich von ihrer miesesten Seite zeigten. 

    Der Satz: „Eigentlich wollte ich …, aber dann kam Corona“, wurde zum absoluten Dauerbegleiter. Egal ob bei Vorsorgeuntersuchungen, Fitnessstudiobesuchen, Geburtstagsfeiern, Reisen… Alles wurde abgesagt, verschoben, umgeplant. Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft: lahmgelegt! 



    Neben finanziellen Sorgen und gesundheitlichen Ängsten kam erschwerend hinzu, dass der Kontakt zu den Liebsten weitestgehend ausblieb. Tröstende, kraftspendende Umarmungen? Fehlanzeige! Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen, Kontaktverbote – Im Februar noch Worte, die vor allem die Jüngeren gar nicht kannten. Im März wurden sie zur harten Realität. 

    Das Jahr 2020 kann also ganz schön froh sein, dass man dieses Jahr nicht sitzenbleiben kann.

    Mit diesem Zeugnis würde es sicherlich nicht versetzt werden. Oder doch? 

    Denn neben den ganzen schlechten Noten bekommt das Jahr auch gute Bewertungen. Zum Beispiel in der Nachbarschaftshilfe. Einem Punkt, den man vor allem bei uns auf dem Land bemerkte. Schnell initiierten sich privat oder in den Dörfern Einkaufsdienste, um den Risikogruppen zu helfen. Darauf kann man schon auch stolz sein. 

    Eine 1+ mit Sternchen erhält das Jahr in „Digitialisierungsanstoß“. Fairerweise muss man sagen, dass die Jahre vorher leider auch etwas geschlafen hatten. Denn Homeoffice, digitale Lerninhalte und Online-Bürgerservice sollten 2020 eigentlich keine Fremdwörter mehr sein. Doch gefühlt war man im Februar noch im Kindergarten, während im März plötzlich höhere Mathematik abgefragt wurde. Wenn man sich die Entwicklung bis Mai dann betrachtet, hat das Jahr wirklich Wunder bewirkt. Auch wenn vieles immer noch nicht richtig klappt, hat ein ganz großes digitales Umdenken stattgefunden. 

    Doch sind es nicht auch immer Extremsituationen, wie diese, die einen zum Nachdenken anregen. 

    Was zählt wirklich? Eine Frage mit der man sich mehr als sonst beschäftigen musste. 

    Gemeinsam mit dem Partner zuhause zu sein, war nicht immer einfach und kann auch zu ganz neuen Streitsituationen führen, aber man hat auch ganz anders Zeit sich intensiver miteinander zu beschäftigen. Kein Wunder also, dass die Krise einen wahren Babyboom mit sich bringt. Doch auch für jeden Einzelnen gab es plötzlich die Möglichkeit, Dinge neu zu priorisieren. 

    Eine Stunde Sport am Tag tut mir gut-vorher keine Zeit gehabt, plötzlich kein Problem mehr. Skypen bringt Freunde ganz einfach zusammen, auch wenn Grenzen oder einfach weite Fahrtstrecken dazwischen liegen. Reisen ist toll, aber muss ich wirklich mehr Zeit in Hotels verbringen, als in meiner eigenen Wohnung, die sogar einen tollen Balkon hat? Das Projekt in Shanghai macht sich super im Lebenslauf, aber die Zeit in der meine Kinder größer werden gibt mir niemand mehr zurück. Das Lieblingsgericht vom Bestellitaliener kann man ja sogar selbst mit frischen Zutaten kochen. Und auch große Feste, die ausfallen mussten: kreative Lösungen und auf die wichtigsten Menschen gekürzte Gästelisten konnten Geburtstage und Hochzeiten auch 2020 wunderschön und ganz besonders machen. 

    Man sieht also: Auch wenn uns das erste Halbjahr 2020 erstmal richtig blöd vorkommt und uns einiges abverlangte, es war ja gar nicht alles schlecht. Behalten wir einfach die guten Dinge bei und hoffen darauf, dass die Disziplin, die im ersten Halbjahr an den Tag gelegt wurde, dafür sorgt, dass das zweite Halbjahr besser wird. Und notfalls erinnern wir uns einfach an die „Goldenen 20er“ – die begannen ja auch erst richtig 1924. 

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