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  • Freitag, 10. Januar 2020,

    St. Wendel: „Vergiss nicht, was du gesehen und gehört hast!“ – Dialogpredigt gegen das Vergessen am Sonntag

    St. Wendel. „Wir leben in Zeiten, in denen jüdische Mitbürger sich nicht mehr trauen, mit ihrer Kippa auf die Straße zu gehen – hier in Deutschland“, berichtet Hartmut König. „Das darf doch einfach nicht sein. Wissen die Leute nicht mehr, was hier einmal geschehen ist? Es darf nicht vergessen werden, wir müssen uns erinnern, damit es nicht noch mal so weit kommen kann.“ Deshalb laden Hartmut König und Pfarrer Gabriel Schäfer die Bevölkerung zur Dialogpredigt unter dem Leitspruch „Vergiss nicht, was du gesehen und gehört hast!“ in die evangelische Stadtkirche am Sonntag, 12.01.20 um 10.00 Uhr ein.

    Hartmut König ist betroffen. Er meint es ernst: „Juden in Deutschland fühlen sich nicht sicher – schon wieder.“ Königs Großvater war Jude, er selbst ist es also zu einem Viertel. „Auf dieses Viertel bin ich sehr stolz“, betont er. Er wuchs mit christlichen und jüdischen Werten, Feiertagen und Festen auf. Sein Großvater überlebte den Zweiten Weltkrieg nur knapp. In Holland versteckte er sich in einem Haus, im Nachbarhaus versteckte sich Anne Frank mit ihrer Familie. Die Geschichte von Anne Frank kennen wir alle. Königs Großvater war sein Vorbild, ein stolzer, bedachter Mann, der ihn vieles lehrte, was er noch heute sehr schätzt. König erzählt, wie es ihn schmerzt, dass Antisemitismus und Rechtsextremismus wieder zunehmen. Der Anschlag von Halle im Oktober 2019 zeigte, wie groß die Gefahr ist, die von gewaltbereiten Antisemiten und Rechtsextremisten ausgeht. König will nicht mehr nur zuschauen und bedauern, was geschieht. Er will reden, erklären, berichten. „Wir müssen uns vor Augen halten, wie schrecklich es einmal war. Das kann doch keiner mehr wollen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Fremdenhass und Rechtsextremismus weiter zunehmen!“

    Die Dialogpredigt gegen das Vergessen, die am Samstag, 11.01.20 um 18 Uhr in der ev. Kirche in Niederlinxweiler und am Sonntag, 12.01.20 um 10.00 Uhr in der ev. Stadtkirche in St. Wendel stattfindet, wird vorbereitet von Pfarrer Schäfer und seinen Konfirmanden. Die Konfirmanden werden den Gottesdienst mit ihren Gedanken zum Thema „Angst um den Frieden“ eröffnen. Später wird Hartmut König über seine persönlichen Erfahrungen und die seines Großvaters berichten. Für den 76-jährigen evangelischen Diakon im Ruhestand steht das gesamte Jahr 2020 unter dem Grundsatz des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – dieses Jahr jährt sich die Befreiung der Gefangenen aus dem Konzentrationslager Auschwitz zum 75. Mal. „Der Nationalsozialismus und der durch ihn ausgelöste Zweite Weltkrieg mit seinen Gräueltaten wird für alle Zeit der Schandfleck in der deutschen Geschichte sein.“ Die Zeitzeugen werden weniger, aber König appelliert an alle, die dabei waren, alle, die die Geschichten gehört und gelesen haben, alle, die ihm zuhören werden: „Vergiss nicht, was du gesehen und gehört hast!

    Die gesamte Bevölkerung ist herzlich eingeladen, zum Gottesdienst zu kommen und an den Gedanken von Pfarrer Schäfer, seinen Konfirmanden und Hartmut König teilzuhaben.

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