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  • Freitag, 15. März 2019,

    St. Wendel: Eine Hommage an die Schönheit von Makeln – „(im)perfect“ Fotoausstellung von Annabelle Ritter wurde eröffnet

    Einzigartig macht uns das, was wir erleben und das Erlebte spiegelt sich auf unserem Körper wieder. Doch weshalb verstecken wir Narben, Dehnungsstreifen und andere Makel immer wieder? Der Drang makellos auszusehen und dem Ideal von Perfektion zu entsprechen ist schon längst für viele Alltag geworden. Diese Vorstellung durchbricht die Fotoausstellung „(im)Perfect“ von Annabelle Ritter, welche am Abend des 08.03.2019 feierlich eröffnet wurde. Anstatt nach aufwendiger Bildbearbeitung ein Bild zu präsentieren, welches nicht der Wahrheit entspricht, zeigt „(im)perfect“ Menschen so wie sie sind. Vollkommen in ihrer eigenen, ganz individuellen Unvollkommenheit.

    Die Ausstellung hängt aktuell noch bis zum 22.03.2019 im Obergeschoss des Mia-Münster in St. Wendel aus und kann dort kostenfrei besichtigt werden.

    Die Vernissage eröffnete die Leiterin des Museums Frau Lagerward mit einer bewegenden Ansprache. „Jeder von uns hat ein Bild von sich selbst.“, erzählte sie. Als Kind sei dieses geprägt von den Wertvorstellungen der Eltern, wenn wir heranwachsen kommen weitere Einflüsse hinzu. Schönheitsideale aus den Medien, der Gesellschaft und von Freunden verzerren unser Selbstbild weiter. „Unser Selbstbild ist also eigentlich ein Fremdbild.“, führte Frau Lagerwaard weiter fort, dass mehr von den Vorstellungen anderer beeinflusst werde, als von unseren eigenen. Hinzu komme die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, die auch nach Schönheitsoperationen und Fotobearbeitungen zurückbleibe. Annabelle Ritter folge nicht diesem System, so die Museumsleiterin. Sie legt den Fokus auf die Einzigartigkeit ihrer Modelle und zeigt die Spuren des Erlebten, die Imperfektion, die uns schwach und stark gleichzeitig mache.

    Danach meldete sich Mathias Blum zu Wort, Vorsitzender von „weareone“, der Initiative zugunsten dessen die Ausstellung veranstaltet wird. „weareone“ unterstützt die Palliativ- und Kinderschmerzstation der Uniklinik Homburg. Die Station ist aufgrund der individuellen Behandlung der Kinder besonders auf Spenden angewiesen um beispielsweise die Anschaffung von Spezialbetten zu ermöglichen. Besonders im musikalischen und künstlerischen Bereich hat „weareone“ bereits viele Projekte und Veranstaltungen mitorganisiert. „(im)perfect“ ist eines dieser Projekte. Ab einer Spende von 90 Euro kann man sich eines der Drucke aussuchen. Am Abend der Vernissage wurden so bereits vier Bilder vorreserviert, die nach dem Ende der Ausstellung den Besitzer wechseln dürfen. Zudem wurden noch weitere Spenden getätigt, sodass ein Spendenbetrag von insgesamt 666,90€ erreicht wurde. Auch weiterhin können Besucher der Ausstellung auf diese Weise ein Bild erwerben. Hierzu sollen sich Interessierte an einen Vertreter des Museums wenden. Spender erhalten dabei natürlich eine Spendenquittung.

    Bevor die Bilder präsentiert wurden, meldete sich die Fotografin selbst zu Wort und stellte sich anhand einer kleinen Fragerunde vor, welche von Frau Lagerwaard geführt wurde. „Ich glaube, dass ist die Art und Weise wie ich ab jetzt fotografieren möchte […] ohne Retusche.“, berichtete Annabelle Ritter abschließend. Die insgesamt 19 Drucke, die teilweise Zusammenschnitte mehrere Bilder sind, wurden nun erstmals präsentiert. Viele der fotografierten Personen, die alle nicht professionelle Modelle sind, nahmen an der Vernissage teil, was der Fotografin sehr wichtig war, wie sie betonte. Auch sie selbst ist auf zwei Bildern zu sehen. Da ihr zehntes Model abgesprungen war, ist die Fotografin kurzer Hand eingesprungen und hat sich selbst fotografiert. 

    Jedes Bild ist einzigartig und doch haben alle etwas gemeinsam. Ohne Ablenkung durch einen aufwendigen Hintergrund, Make-up oder Stoff, der die Makel verdeckt, werden die Modelle gezeigt. Fast schon eine übertragende Ruhe geht von ihnen aus. Der vermeintliche Makel steht im Einklang mit dem Körper und tritt dadurch vollkommen in den Hintergrund, obwohl der Fokus des Bildes darauf liegt. Alles wirkt harmonisch. In jedem Foto liegt Zufriedenheit, Akzeptanz und Schönheit. Annabelle Ritter schafft es auf eine fast schon magische Weise den Fokus auf das vermeintlich Unschöne zu lenken und dabei die Schönheit der Person zu zeigen. Die Botschaft der Fotografin, seinen Körper so zu akzeptieren wie er ist und aufzuhören seinen Makel retuschieren und verstecken zu wollen, spiegelt sich nicht nur in jedem Bild, sie überträgt sich auch auf den Betrachter und lässt ihn sein eigenes Selbstbild überdenken. 

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