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  • Freitag, 18. Dezember 2015,

    Radweg soll Alternative zur Hochwaldbahn werden

    Das Saarland will auf die Reaktivierung der Hochwaldbahn (saarländischer Streckenabschnitt: Türkismühle bis Nonnweiler-Bierfeld) verzichten und lieber eine Nutzung der Trasse als Radweg ins Auge fassen. Dies gab das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr am Freitag, 18. Dezember, vor dem Umweltausschuss des saarländischen Landtags bekannt.

    Vorausgegangen waren unter anderem Gespräche mit den im Saarland betroffenen Gemeinden sowie dem Landkreis St. Wendel. Dabei haben der Landrat Udo Recktenwald (CDU) und die Bürgermeister der Gemeinden Nohfelden, Andreas Veit (CDU), und Nonnweiler, Dr. Franz-Josef Barth (parteilos), dargestellt, dass sie die Nutzung der Bahnstrecke als Radweg zum Lückenschluss an den Prims-Radweg und den Ruwer-Hochwald-Radweg bevorzugen. Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald sei auf saarländischer Seite durch die Buslinien R 200 und R 11 „hervorragend angebunden“, hieß es.

    Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD): „Wir haben uns verständigt, gemeinsam ein Kostengutachten zu dem vom Kreis St. Wendel bereits vorgeschlagenen Radwegekonzept in Auftrag zu geben. Dann haben wir eine solide Entscheidungsgrundlage für die Realisierung einer solchen neuen Nutzung der Bahnstrecke.“

    In eine Reaktivierung des Bahnverkehrs müssten hohe Millionenbeträge investiert werden. Dies belegt auch die Mobilitätsstudie zum Nationalpark. Sie geht davon aus, dass nur etwa drei Prozent der Besucher den öffentlichen Nahverkehr zur Anreise wählen werden. Das derzeitige Potenzial der Hochwaldbahn für den Alltagsverkehr wird als unbedeutend eingeschätzt, da beim Busverkehr die Linienführung flexibler an die Fahrgastbedürfnisse angepasst werden kann.

    Bereits für die Herstellung der Verkehrssicherheit und einen 2018 erforderlichen Ersatz einer Weiche hat DB Netze in den nächsten drei Jahren rund 300.000 Euro kalkuliert. Dies geht aus ihrem Angebot für die Sicherung des saarländischen Streckenabschnitts hervor. Um die Hochwald- und die Hunsrückquerbahn zu ertüchtigen, wird laut Mobilitätsstudie mit weiteren 4,4 bis 12 Millionen Euro Kosten gerechnet. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass es mit Türkismühle derzeit im Saarland nur einen einzigen Bahnhof gibt, der einen gefährdungsfreien Ein- und Ausstieg für Fahrgäste erlaubt. Daher wären zusätzliche Beträge in Millionenhöhe erforderlich, um Haltepunkte an der Strecke zu schaffen oder herzurichten. Auf rheinland-pfälzischer Seite wird unterdessen geprüft, ob es rechtlich möglich wäre, Teile der saarländischen Kosten zur Trassensicherung zu übernehmen.

    Zuletzt haben im St. Wendeler Land viele Gruppen für und gegen die Reaktivierung der Bahnstrecke plädiert. So hat sich der SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Magnus Jung für einen Radweg auf der Strecke ausgesprochen, nachdem im November 2015 eine „Mobilitätstudie zur touristischen Erschließung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald“ vorgelegt wurde. „Damit haben wir eine fundierte Grundlage für die touristische Erschließung des Nationalparks. Diese neue Studie bestätigt uns darin, dass eine kostenintensive Reaktivierung der stillgelegten Strecke keinen positiven Effekt für den ÖPNV hat und dass der Nutzen durch eine ausschließlich touristisch begründete Wiederinbetriebnahme nur sehr geringe positive Folgen hätte. Die zu erwartenden Kosten stehen demnach in keinem Verhältnis zum Nutzen. Es kommt hinzu, dass das Saarland keine Regionalisierungsmittel für eine rein touristische Nutzung einer Bahnstrecke zur Verfügung stellen darf. Insofern macht auch die Übernahme der Trassen-Sicherung durch das Land wenig Sinn“, so Dr. Magnus Jung im November.

    Auch der Bürgermeister der Gemeinde Nohfelden, Andreas Veit (CDU), hatte sich bereits im August aus Kostengründen für einen Radweg auf der Bahnstrecke ausgesprochen.

    Die Linke hatte sich für eine Reaktivierung der Bahnstrecke eingesetzt. So der Bundestagsabgeordnete der Linken, Thomas Lutze: „Will man ernsthaft die Hochwald-Region als touristischen Nationalparkt etablieren und auch attraktiv gestalten, muss man eine geeignete ÖPNV-Anbindung schaffen. Hier kann eine Eisenbahn, die werktags schwerpunktmäßig Schülerverkehre und an Wochenenden und in den Ferien Tourismusverkehre betreibt, ein wichtiger Faktor für die touristische Erschließung sein. Außerdem sind auch mögliche Fahrten von historischen Zügen ein Publikumsmagnet, wie die saarländischen Beispiele im Ostertal und zwischen Merzig und Losheim am See eindrucksvoll belegen.“ Auch die Kreisvorsitzende der Linken im St. Wendeler Land, die Landtagsabgeordnete Heike Kugler, unterstützte die Wiederbelebung der Strecke.

    Zudem hat sich der Verein Pro Hochwald- & Hunsrückbahn gegründet, der eine Reaktivierung der Strecke von Büchenbeuren (Nähe Flughafen Hahn) bis Türkismühle zum Ziel gesetzt hat.

    Hintergrund:

    Nachdem sich die Deutsche Bahn aus dem Hunsrück zurückzog, übernahm der Verein Hunsrückbahn e.V. Streckenteile und bediente diese. Es wurden Museumsfahrten angeboten oder aber auch gewerbliche Kunden mit Güterfahrten bedient. Die Strecke zwischen Hermeskeil und Türkismühle wurde am 31. August 2012 wegen Ablauf der Betriebsgenehmigung betrieblich gesperrt. Es gab zudem bauliche Mängel an der Löstertalbrücke, die einen Weiterbetrieb verhinderten. Seit dieser Zeit verkehrten auch keine Züge mehr auf der Strecke. Die Trasse wurde im vergangenen Jahr stillgelegt.

    Im Netz: www.pro.hochwaldbahn.chayns.net, www.hochwaldbahn.info

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