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  • Samstag, 11. April 2020,

    Nostalgie inmitten der amateurfußballerischen Zwangspause – ein Gastbeitrag von Dominik Finkler

    Dies ist ein Gastbeitrag von Dominik Finkler.

    Dominik Finkler wohnt in Hasborn, ist 33 Jahre alt und Trainer der 3. Mannschaft des SV Rot-Weiß Hasborn.

    ——-

    Was bleibt für einen Amateurfußballer in der derzeitigen Situation, wo Sportplätze verwaist und Clubheime geschlossen sind, an den Wochenenden zu tun?

    Nun, mich persönlich trifft diese Zwangspause nicht direkt spielerisch, sondern verbannt mich aus den Coachingzonen diverser Kreisliga-Sportstätten. Meine eigene (unbefristete) spielerische Zwangspause ereilte mich mit einem Kreuzbandriss im September letzten Jahres. Diese eine Verletzung unter vielen weiteren der letzten Jahren riss mich derweil nicht unverhofft aus dem aktiven Spielgeschehen, sondern war vielmehr der letzte Nagel in einen massiven Eichensarg, der meine kreisklassige Spielerlaufbahn einhüllen und begraben sollte. Und dennoch fehlt auch mir der Sonntagnachmittag auf dem Sportplatz, er gehört einfach dazu. Dabei ist es egal, ob man auf dem Platz sein Talent bzw. sein Stets-Bemüht-Sein zur Schau stellt oder ob man neben dem Platz in der Coachingzone an der Zucht seiner grauen Haare und an der Grundsteinlegung für chronische Herzrhythmusstörungen arbeitet.

    Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Was bleibt einem Amateurfußballer an einem Sonntag zu tun, wenn Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen die Möglichkeiten derart stark limitieren. Eine von mir empfohlene Option ist, die Wanderschuhe zu schnüren und sich auf die Suche nach vergessenen und teilweise verschollenen Denkmälern früheren saarländischen Amateurfußballs zu machen. So machte ich mich an einem frühlingshaften Sonntagmorgen auf, den Fußweg von Hasborn, über die Wiesbach nach Primstal und weiter über den Peterberg nach Eiweiler zu nehmen. Nach drei Stunden erreichte ich das Elternhaus meines Vaters, in dem noch heute meine über 90-jährigen Großeltern leben. 

    Nach einem kurzen „Hallo“ und Plausch über die Türschwelle unter dreifacher Einhaltung des empfohlenen Corona-Mindestabstands, setzte ich meinen Weg fort über den Eulenkopf. Ziel war die Spielstätte der Sportfreunde Eiweiler bis in die frühen 1970er Jahre, das altehrwürdige „Eulenkopfstadion“. Nach kurzer Suche konnte ich den Ort mit Hilfe der Wegbeschreibung meines Vaters finden. Auf den ersten Blick erschien es wie eine unspektakuläre Wiese auf einem Hügel mitten im Wald, ohne befestigte Zufahrtswege. Die Tore sind längst abgebaut. Nichts erinnerte auch nur im Entferntesten daran, dass hier vor Jahren Amateurfußballbetrieb stattfand.

    Ich hielt inne, zündete mir eine Zigarette an, wie es sich für einen ehrlichen Kreisklassenkicker gehört, und ließ die Magie dieses Ortes auf mich wirken. An diesem Ort schnürte mein Vater damals seine Jugend-Fußballschuhe, oder Gummistiefel, oder was auch immer man damals an den Füßen trug. Hier wurden seinerzeit Schlachten geschlagen, ohne Clubheim, ohne Kabinen – sowas brauchte man damals scheinbar alles nicht. Bier wurde mit hochgebracht, ein Schwenker wurde aufgestellt und es wurde einfach nur Fußball gezockt. 

    Ich zog an meiner Zigarette und mit dem Rauch in meine Lungen kamen auch die Erinnerungen an frühere sportliche Aufeinandertreffen zwischen Hasborn II bzw. III und den SF Eiweiler wieder. Diese Duelle, die leider nicht hier auf dem Eulenkopf, sondern auf der aktuellen Sportstätte Ortsausgang Richtung Neunkirchen/Nahe stattfanden, waren für mich immer etwas Besonderes, nicht zuletzt, da meine Wurzeln eben in diesen beiden Dörfern zu finden sind. Meine persönliche sportliche Bilanz gegen Eiweiler mag gemessen an Siegen, Niederlagen und Unentschieden relativ ausgeglichen sein. Und sofern nicht ein gewisser D. Schm. 6 Tore in einem Spiel gegen uns einnetzte, waren die Duelle auch regelmäßig ausgeglichen und umkämpft. 

    Meine Verweildauer an dieser geschichtsträchtigen Sportstätte sollte nach 5 Minuten ein Ende finden. Ich löschte sorgfältig meine Zigarette und machte mich auf den ca. 2 einhalb stündigen Heimweg. Ich war an einem Sonntag auf dem Sportplatz und das unter Einhaltung sämtlicher Abstandsregelungen der Coronazeit. Ich habe ein Stück fußballerische Zeitgeschichte gespürt und in nostalgischen Erinnerungen geschwelgt. Dieser Ort gab mir etwas, woran es momentan oftmals fehlt. Die Zuversicht, dass der Amateurfußball diese einschränkende Zeit überstehen und wieder in seiner menschenverbindenden Art gestärkt daraus hervorgehen wird. Und dann sehen wir uns alle auf den saarländischen Amateursportstätten wieder.

    Dies war meine persönliche Antwort auf die Ausgangsfrage dieses Artikels. 

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