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  • Freitag, 26. Oktober 2018,

    Landtagspräsident Toscani besucht mit Schülern des Gymnasiums Wendalinum Erinnerungsorte in St. Wendel

    Am Freitag (26.10.18) besuchte Landtagspräsident Stephan Toscani mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Wendalinum und dem Landrat des Landkreises St. Wendel, Udo Recktenwald, u. a. den Eugen-Berl-Platz und den ehemaligen Standort der Synagoge. Die Veranstaltung in St. Wendel bildete den Auftakt der Reihe „Saarländische Erinnerungsorte“.

    Landtagspräsident Stephan Toscani übernimmt Verantwortung für die Erinnerungskultur: „Der Landtag ist ein Ort, an dem Diskussionen über grundsätzliche Themen stattfinden, die unsere Demokratie und Gesellschaft prägen. Gerade beim Thema Erinnerungskultur möchte ich Anstöße geben und sie in den Schulen präsenter machen.“ Er verwies auf eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa, die feststellt, dass nur 47 Prozent der 14- bis 16-Jährigen wissen, dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrationslager war. „Eine wichtige Überlegung ist daher, wie wir Schülerinnen und Schülern heute noch die Schrecken der NS-Zeit vermitteln können“, erklärte Landtagspräsident Stephan Toscani. „Ich möchte dazu einen Beitrag leisten.“

    Dabei müssten Schülerinnen und Schüler auch erfahren, dass Verfolgung, Unterdrückung und Mord nicht an einem weit entfernten Ort stattgefunden haben, sondern auch direkt vor ihrer eigenen Haustür, sichtbar für alle Deutschen. Es ginge um Fragen wie: Wer ist damals aus meinem Ort verschwunden? Wer hat Widerstand geleistet? Wie haben sich die Ereignisse auf die menschlichen Beziehungen ausgewirkt?

     

    Stephan Toscani: „Hier setze ich mit meiner Erinnerungsarbeit an. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern besuche ich in allen saarländischen Landkreisen und im Regionalverband Saarbrücken jene Orte, an denen noch Spuren des jüdischen Lebens zu sehen sind, darunter vor allem Schulen, Friedhöfe und Synagogen.“ Ziel sei es, die Geschichte jüdischen Lebens im Saarland im Bewusstsein der jungen Menschen zu verankern, damit sie nicht vergessen, dass auch im Saarland das Leben vieler Jüdinnen und Juden im Dritten Reich von den Nationalsozialisten ausgelöscht wurde. „Ich werde mich im Rahmen dieser Besuche aber auch mit den Themen Euthanasie, Verfolgung Andersdenkender und Widerstand auseinandersetzen,“ ergänzte Landtagspräsident Stephan Toscani.

    Nach einer Einführung durch den Lehrer und Leiter der Projektgruppe „Wendalinum wider das Vergessen“, Rafael Groß, im Gymnasium Wendalinum präsentierten Schülerinnen und Schüler die Geschichte der jüdischen Familie Berl. Besonders die Schicksale des Kaufmanns Eugen Berl und seines Sohnes Fritz, der 1938 unter grausamen Umständen die Schule verlassen musste, bewegte die Schülerinnen und Schüler sehr.

     

    Es folgte ein gemeinsamer Gang durch die Gymnasialstraße, in der man der jüdischen Familie Heymann gedachte, die 1943 nach Auschwitz deportiert worden war. Anschließend verwies Landrat Udo Recktenwald auf dem Eugen-Berl-Platz auf die Bedeutung der Erinnerungskultur: „Eine verantwortungsvolle Erinnerungskultur wird im Landkreis St. Wendel bereits seit vielen Jahren praktiziert: beispielsweise durch eine zentrale Gedenkveranstaltung am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust, oder mit der jährlichen Kranzniederlegung am 9. November, dem Gedenktag an die ‚Reichspogromnacht‘, oder durch die Unterstützung von Schulgruppen, Vereinen, Verbänden, Publikationen.

    Damit wollen wir verdeutlichen, dass das Grauen dieser Zeit nicht nur weit entfernt stattfand, sondern auch vor Ort, vor unserer Haustür. Damit wollen wir vor allem auch junge Menschen erreichen, sie sensibilisieren. Daher haben wir auch gemeinsam mit dem Adolf-Bender-Zentrum landkreisweit sieben Orte gegen das Vergessen eingerichtet, die exemplarisch Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsregimes vorstellen. Wir geben den Opfern einen Namen, ein Gesicht, schaffen emotionale Bindungen. Der Eugen-Berl-Platz ist einer dieser Orte.“

    Vom Eugen-Berl-Platz führte der Weg weiter durch die Schloßstraße, vorbei am Stolperstein für Erna Berl, zum ehemaligen Standort der St. Wendeler Synagoge. Abschließend empfing Jörn Didas die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung im Adolf-Bender-Zentrum.

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