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  • Sonntag, 23. Dezember 2018,

    Landkreis St. Wendel: Sollte mehr für die St. Wendeler Bürger getan werden?

    Eric Baumann und Janine Bellmann im Interview mit wndn.de

    Im folgenden Interview haben wir mit Eric Baumann, 44, Netzwerker des Familienberatungszentrum Süd und Janine Bellmann, 29, Kinder- und Jugendbeauftragte der Stiftung Hospital über die Kinder, Jugendlichen und Senioren im Landkreis St. Wendel gesprochen.

    Janine: „ Meine Aufgabe als Kinder- und Jugendbeauftragte ist es unter anderem Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche auf die Beine zu stellen. Zudem bin ich Vorsitzende im Kinderbeirat und nehme an verschiedenen Arbeitskreisen teil. Ich bin sehr frei in meiner Arbeit bei der Stiftung Hospital, aber trotzdem auf die Hilfe von Kooperationspartnern, wie etwa dem Haus der Jugend, der Lebenshilfe, der Suchtberatungsstelle Knackpunkt und den Familienberatungszentren angewiesen. Außerdem betreue ich ein Jugendwohnhaus mit 16 bis 21- Jährigen, helfe dort bei Alltagsangelegenheiten, der Vorbereitung fürs Alleine- Wohnen, bei Behördengängen und weiteren Themen.

    Eric: „Die Familienberatungszentren St. Wendel Süd und –Nord bieten Unterstützung und Beratungsangebote für Jugendliche und Familien. Es gibt die Möglichkeit der Erstberatung, das sind in der Regel 3 Termine, die wahrgenommen werden können. Danach besteht die Möglichkeit, bei Bedarf eine Hilfe zur Erziehung zu beantragen. Die Fragen, die wir gestellt bekommen sind breit gefächert. Anliegen sind unter anderem Fragestellungen zu Leistungsbezug, Hilfeadressen, Erziehungsthemen, Schulprobleme, Vernetzung der Kinder, sprich. welche Vereine gibt es usw. Bei Themen wie beispielsweise Scheidungsberatung vermitteln wir an die entsprechenden Fachstellen (z.B. die Lebensberatungsstelle) weiter.“

    Welche themenbezogenen Defizite bestehen eurer Meinung nach in St Wendel?

    Eric: „Meiner Ansicht nach bestehen zu wenig Angebote für Kinder im Alter von 6- 14 Jahren. Auch günstigere Freizeitangebote für Familien im Leistungsbezug wären sehr wünschenswert. Es ist gut, dass es die bestehenden Veranstaltungsangebote gibt, aber es sollte auch an einkommensschwächere Familien gedacht werden. Die bereits existenten Freizeitprogramme für Kinder und Jugendliche könnten auch in die zweite Hälfte der Ferien ausgedehnt werden. Natürlich existieren viele tolle Vereine, aber beispielsweise. der Transport der Kinder zum Verein hin, kann manche Familien, die nicht in St. Wendel wohnen, durchaus vor Schwierigkeiten stellen.

    Wndn.de: „Die Empfänger von Sozialhilfe erhalten für die Teilnahme von Kindern an Freizeitmaßnahmen Zuschussmöglichkeiten. Bei Leistungsberechtigten bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres wird ein Bedarf zur Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft für Mitgliedsbeiträge in den Bereichen Sport, Spiel, Kultur und Geselligkeit, Unterricht in künstlerischen Fächern und vergleichbaren angeleiteten Aktivitäten der kulturellen Bildung und der Teilnahme an Freizeiten, berücksichtigt. Die übernahmefähigen Kosten werden auf Antrag berücksichtigt und betragen monatlich 10 €. Bei Freizeiten können sie jedoch bis zum Maximalbetrag von 120 € jährlich angespart werden. Daneben können auch weitere tatsächliche Aufwendungen berücksichtigt werden.“

    Baumann: „ Ja das ist wahr. Eine sinnvolle und gute Unterstützung, aber dennoch muss man verstehen, dass die Stellung eines solchen Antrages für die meisten Familien sehr schambesetzt sein kann, insbesondere in Regionen mit einer solch ländlichen Struktur, in der jeder jeden kennt!“

    Janine: „Speziell für die Jugendlichen im Alter von 14- 18 Jahren könnte eine Alternative zu Diskos und Kneipen geschaffen werden. Ein Jugendzentrum, das zum Beispiel am Wochenende länger geöffnet hat und kontinuierlich Veranstaltungen anbietet, besteht in vielen saarländischen Städten, nicht aber in St. Wendel. Das wäre eine gute Sache für die jugendlichen St. Wendeler, denn speziell für diese Altersgruppe ist es meiner Erfahrung nach schwierig regelmäßige Angebote zu finden.“

    Eric: „ Darüber hinaus gibt es auch traumatisierte Kinder und jugendliche Flüchtlinge. Die Wartelisten bei Psychologen sind sehr lange. Die Sprachbarriere ist schwierig zu händeln, eine komplette Kulturaufklärung und Betreuung dieser ist, nach wie vor, sinnvoll.

    Was tut ihr um die Situation zu verbessern?

    Janine: Wir arbeiten kontinuierlich daran schöne und spaßige Aktivitäten für Kinder und Jugendliche zu planen und durchzuführen. Unsere gemeinsamen Unternehmungen im letzten Jahr waren unter anderem ein Besuch im Tierheim, Teilnahme am Klarsicht- Parcours in Türkismühle, Osterbasteln, Geocaching, Unterstützung beim SR Ferien Open- Air und dem Kinderstadtfest, Kinderschminken am Rathausfest, Kinderflohmarkt, Erlebnistag auf dem Hundesportplatz, Klettern in Rocklands und vieles mehr. Auch das Haus der Jugend bietet ein vielseitiges Programm an. Das Unterhaltungsrepertoire besteht beispielsweise aus Billard spielen, Filmabenden, kochen und ähnlichen Aktivitäten.“

    Eric: „Wir möchten unsere Kontakte ausweiten und Ansprechpartner suchen, die im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten, unterstützen können. Es gibt viele Ideen, allerdings brauchen wir genügend Zeit und Kooperationspartner um diese in die Tat umsetzen zu können.“

    Welche Veranstaltungsideen habt ihr?

    Janine und Eric: „Regelmäßige Spielenachmittage, beispielsweise zwei Mal monatlich wären schon mal eine gute Sache. Dazu benötigt man natürlich entsprechende Räumlichkeiten und freiwillige Helfer.

    – Das Mia Münster Haus oder Kindergärten würden sich gut dazu eignen Senioren die Möglichkeit zu geben als Lesepaten für Kinder zu fungieren.

    – Wünschenswert wären auch eine Ferienfreizeit in einer der letzten Ferienwochen und ein ausreichendes kostengünstiges Angebot an Schwimmkursen, da es auffallend ist, dass viele Kinder nicht (mehr) schwimmen können. Sicherlich ist – besonders für Familien im Leistungsbezug – der Eintrittspreis für das Angebot sehr hoch.

    – Weiterhin möchten wir im frühen Sommer am Sportzentrum ein Bobbycar-Rennen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene veranstalten. Vorzugsweise mit musikalischer Untermalung und einem kleinen Angebot an Essen und Trinken. Schön wäre es, mit einem entsprechenden Kooperationspartner auch einen Rollator-Run für Senioren durchzuführen, hierfür stehen wir gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.“

    Was läuft denn gut in St. Wendel?

    Janine und Eric: „In St. Wendel tut sich was, das steht außer Frage. Die Veranstaltungspalette ist breit gefächert. Von Halloween in der City, dem Kinderstadtfest, der Kinderferienfreizeit, über das Familienfest, die schönen Märkte, bis hin zu den Rallyes, dem Globus- Marathon und vielem mehr. Auch die alltägliche Infrastruktur wie Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten etc. sind in der Kernstadt sehr gut. Und es gibt viele Menschen, die auch ehrenamtlich engagiert sind, das wissen wir sehr zu schätzen und möchten uns auf diesem Wege bei diesen Personen auch bedanken.“

    Kinderflohmarkt auf dem Schossplatz

    Was möchtet ihr verantwortlichen Personen mitteilen?

    Janine und Eric: „ Zur Verwirklichung verschiedener Ideen würde eine Gesprächssituation sicherlich zu einer Verbesserung beitragen.“

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