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  • Sonntag, 5. April 2020,

    I believe – I can #stayathome – Wie mein Glaube mir jetzt zumindest etwas Halt gibt

    Ich weiß gar nicht, ob das so bekannt ist, aber ich bin eine bekennende Christin. Eine Eigenschaft, die unter jungen Menschen heute eher unmodern geworden ist und nicht selten Verwunderung auslöst.  
    „Ja aber du gehst jetzt nicht sonntags in die Kirche oder so?“, „Aber wissenschaftlich ist doch längst nachgewiesen, dass das, was in der Bibel steht Quatsch ist“ oder „du siehst gar nicht so langweilig aus, dass man dir das zutraut“, sind nur einige der Sprüche, die ich mir anhören darf, wenn ich erzähle, dass ich an Gott glaube. Danach folgt meist eine Endlos-Diskussion darüber, dass ich als Frau in der Kirche aber keine Rechte habe und Priester und Bischöfe sowieso alle geldgeile, messdienermissbrauchende alte Säcke sind. Ohne, dass ich irgendwen missionieren oder die Missstände in der katholischen Kirche verharmlosen möchte, ist die Stimmung nach solchen Gesprächen dann doch meistens irgendwie gecrashed. 

    Doch ich stehe für meinen Glauben ein. Nicht für das, was in der Kirche passiert und bereits passiert ist, aber für das, was der Glaube mit mir macht. 

    Dabei ist mir völlig klar, dass das, was in der Bibel steht, nicht alles so stimmt, wie es aufgeschrieben wurde. An manchen Stellen muss ich mir sogar das Grinsen verkneifen, weil die Zeilen dann doch sehr naiv und weit hergeholt klingen. Doch es geht mir ja nicht darum wortwörtlich nach der Bibel zu leben. Auch ich lebe im 21. Jahrhundert und sehe vieles, was die Kirche lehrt, als veraltet an. Ich bin eine moderne Frau und doch tut es mir gut nach einigen ihrer Grundwerten zu leben.

    Gerade jetzt, wo es schwieriger denn je ist zu verstehen, warum alles so ist, wie es ist. Gegen diese Machtlosigkeit kann ich nicht ankämpfen. Doch ich kann mit meinem Glauben versuchen Antworten zu finden. Das tat ich bislang noch immer, wenn ich Dinge nicht verstehen konnte.
    Warum müssen liebe Menschen (viel zu früh) sterben? Warum musste ich die Klausur vergeigen, obwohl ich viel dafür gelernt hatte? Warum sehen immer mehr Menschen den Europäischen Gedanken nicht mehr als wunderbare Chance und verbreiten nationalistische Gedanken? Aber auch Fragen wie, weshalb gerade ich so tolle Freunde an meiner Seite habe? Wie es sein kann, dass zwei Menschen sich so lieben, wie ich und mein Verlobter es tun? Oder Warum Sonnenstrahlen an der Nase kribbeln, trotz dass es einem gerade schlecht geht. 



    Egal mit welcher Wissenschaft man es versucht, irgendwo bleibt bei solchen Fragen immer ein Geheimnis dahinter. Dieses Geheimnis kann man nennen wie man will. Für die einen ist es Schicksal, für mich ist es Gott. Und damit habe ich eine Antwort. Auch im Moment kann ich in Gott für vieles eine Antwort finden. Und es mag naiv klingen, doch mein Glauben sagt mir, dass Gott uns nie etwas zumuten würde, was wir nicht auch bestehen können. Sicher können wir den Sinn nicht immer direkt sehen, doch wir stehen es durch und können später sagen, dass wir damit gewachsen sind. Mit diesem Glauben kann ich auch zuhause sitzen, unwissend, wann die Pandemie wieder vorüber ist. Mit diesem Glauben kann ich Ängste, Ungewissheit und Hilflosigkeit überstehen und trotzdem darauf zählen, dass alles gut wird, egal was noch passiert. 

    Doch mein Glaube besteht aus mehr als dem Vorteil eine Antwort zu haben, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Vor allem die Gemeinschaft stärkt mich immer wieder, für diesen Glauben auch einzustehen. In einem wunderschönen Lied zum Glaubensbekenntnis heißt es: „Ich glaube an Gemeinschaft, mit Gott als Fundament. Ich glaube an die Liebe, die einigt, was uns trennt“, genau diese Gemeinschaft erlebe ich selbst immer wieder. In der Gemeinde, wenn alt und jung zusammen singen, beten und sich umeinander sorgen. Aber auch bei den Messdienern oder der Katholischen Jugend. Junge Menschen werden hierbei zu Freunden, die häufig ein Leben lang zusammenhalten. Die Basis dieser Gemeinschaften, die so viel für das Leben geben, ist immer irgendwie der gemeinsame Glaube. Auch wenn der bei jedem ein bisschen anders ausgeprägt ist und keineswegs in allen gemeinsamen Treffen ausgelebt werden muss. 

    Und genau diese Gemeinschaft ist es tatsächlich auch, die es mir gerade so schwer macht, isoliert zu leben. Ich kann genauso gut zuhause zu Gott beten und meine Gedanken an ihn formulieren – was ich im Übrigen auch öfter tue. Eigentlich ist es nämlich nichts anderes, als eine Art der Meditation, nur dass man beim Beten davon ausgeht, dass es auch bei Gott ankommt, was man denkt oder auch ausspricht. Hierzu brauche ich keine Kirche und auch niemanden, der bei mir ist. Doch das gemeinsame Gottesdienst feiern am Sonntagmorgen bietet noch so viel mehr, als es das Beten tut. Ich sehe Freunde und Bekannte, erfahre Neues aus meinem Dorf und komme immer ein bisschen entschleunigt zurück nach Hause. Keine Frage, ich genieße es jetzt auch, an einem Sonntag nicht um halb 10 zurechtgemacht in der Sakristei zu stehen und im Messdienerkittel mit Weihrauch geräuchert zu werden. Doch gerade jetzt, wo es auf Ostern zugeht, fehlt es mir eben auch. Nicht zuletzt durch die Klepperaktion sind die Ostertage immer etwas ganz besonderes. (Der Legende nach fliegen die Glocken an Karfreitag nach Rom, um in der Osternacht wieder zu erklingen. Während dieser Zeit gehen Kinder und Jugendliche um 6, 12 und 18 Uhr mit Kleppern durchs Dorf, um die Glocken zu ersetzen.) Ab Gründonnerstag lebe ich fast in der Kirche und erfahre immer meine ganz eigene Passion. Anders kann man das nicht nennen, wenn man um 5 aufsteht um das erste mal kleppern zu gehen und um 15 Uhr beim „Beuget die Knie“ der Karfreitagsliturgie zwischen Weihrauchschwarten und Gesängen versucht, irgendwie noch die Augen offen zu halten. Doch nach diesen 3 Tagen Kartags-Marathon fühlt sich das „Großer Gott wir loben dich“ in der Osternacht, bei dem die Lichter angehen, die Glocken erklingen und die ganze Gemeinde mitsingt, einfach sehr befreiend an. 
    So wird es in diesem Jahr sicherlich nicht. 

    Doch wir stecken den Kopf nicht in den Sand. Auch wenn rausgehen selbstverständlich nicht möglich ist, dann Kleppern wir eben von zuhause aus. Via Facebook-Live und einem WhatsApp-Gruppenchat wird koordiniert, dass auch alle im Takt sind und zur gleichen Zeit die Sprüche rufen.  Die Idee schlug das Bistum Trier vor und sie wurde von vielen Gruppen übernommen. Genauso wie die Übertragung der Gottesdienste über YouTube von einigen Priestern genutzt wird. Es ist schließlich doch etwas ganz anderes den bekannten Pastor zu sehen oder einen Fernsehgottesdienst aus einem der großen deutschen Domen. Diese Angebote werden von den Gläubigen gerne genutzt und bieten die Möglichkeit am Gottesdienst teilzunehmen und das ganz ohne das Haus zu verlassen. Für mich als Messdienerin, die dann im Gottesdienst „nichts zu tun hat“, sind sie irgendwie trotzdem nichts. Wahrscheinlich werde ich mich an Ostern trotzdem mit meinen Freunden verabreden und den Jugendgottesdienst aus der Jugendkirche Eli.ja gemeinsam ansehen. Jeder zuhause und trotzdem zusammen. 

    Und irgendwann wird die Zeit auch wieder vorbei sein, und wir werden wieder gemeinsam singen, beten und Zeit verbringen können. 
    Bis dahin hilft mir mein Lieblingszitat aus dem Korintherbrief „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei – aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

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