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  • Dienstag, 17. November 2020,

    Herr Recktenwald, sind wir jetzt Freunde? – Kommentar

    Gestern einigte sich die Ministerpräsidentenkonferenz darauf, dass sich private Zusammenkünfte mit Freunden und Bekannten generell nur noch auf einen festen Haushalt beschränken sollen. So sollen die Kontakte weiter eingedämmt, Infektionsketten verkürzt und die Nachverfolgbarkeit von Kontakten bei den Gesundheitsämtern weiterhin ermöglicht werden. 

    Das Ziel leuchtet absolut ein. Doch in der Umsetzung ist das eine Farce. Denn es offenbart eine zwiegespaltene Strategie:

    Es ist fast allen klar, dass es momentan absolut nicht hilfreich wäre große private Feiern zu organisieren und täglich Unmengen an Menschen zu treffen. Doch wer solche Maßnahmen beschließt, muss sich die Frage gefallen lassen, warum Geschäfte offen bleiben dürfen. Warum man sich in Firmen weiter bunt mit Businesskontakten treffen soll. Und Schüler, die dicht in Bussen aneinandergedrängt zu Schulen fahren, in denen sie mit mindestens 20 weiteren Haushalten in einem Raum sitzen, sehen sich hier auch Risiken ausgesetzt.



    Verbreitet sich das Corona-Virus nicht, wenn ein wirtschaftliches Interesse hinter den Treffen steht? Es wirkt auf zynische Art wie eine Form von Ablasshandel: Sobald Geld gezahlt wird, ist man frei von jeder Gefahr. Irgendwie schräg, wenn man bedenkt, dass man bis gestern noch davon ausging, dass Corona schon nicht auf Blutsverwandte übergehen kann. Oder wie erklärt sich die Regelung, dass Verwandte einer Linie sich treffen durften? 

    Selbstverständlich sollten Kontakte eingeschränkt werden, gleichzeitig sollte die Wirtschaft so wenig wie möglich leiden und die Menschen müssen geschützt werden. Dass das fast unmöglich umzusetzen ist und immer jemand etwas daran auszusetzen haben wird, ist absolut klar. Ob es aber wirklich sinnvoll ist, nur noch berufliche Kontakte zuzulassen und einen Bezugshaushalt anzugeben, bleibt zweifelhaft. 

    Muss jetzt meine Bezugsperson auch mit zum ausgleichenden Sport, ob sie es kann oder nicht? Dürfen Personen, die häufiger nach ihren Eltern sehen müssen, nun sonst niemanden mehr treffen? Wer erklärt jetzt dem Kindergartenkind, dass es nach der Betreuung nur noch einen Freund haben darf? 

    Selbst im Frühjahr, als niemand so richtig einen Plan hatte mit dieser Pandemie umzugehen, durften die durchaus eingeschränkten Kontaktpersonen wechseln. Sieht man in Berlin wirklich so eine große Bedrohung in Freundschaften? Oder wollte irgendein Länderchef einfach eine effektive Möglichkeit finden, um seine Schwiegermutter nicht mehr sehen zu müssen? 

    Unsere Redaktion fragt jetzt im Landratsamt an, ob Herr Recktenwald sich noch in unser Freunde-Album eintragen möchte, bevor ich ihn zum Interview als Bezugshaushalt angebe.



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