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  • Sonntag, 9. Februar 2020,

    Helden des Alltags – Wie Stammzellenspenderin Katja Puhl einem Dreijährigen das Leben rettete

    Stammzellspenderin Katja Puhl schenkte einer Familie mit ihrer Stammzellspende neuen Mut

    Katja Puhl ist 35 Jahre und von Beruf Bautechnikerin. Sie wohnt in Steinberg-Deckenhardt, ist verheiratet und Mama einer einjährigen Tochter. Im letzten Jahr hat Katja mit Hilfe einer Stammzellenspende einem dreijährigen Jungen aus Australien, der an einer Autoimmunkrankheit litt, das Leben gerettet. Alles über ihrer Geschichte und wie man StammzellspenderIn wird, erfahren Sie hier.



    Katja, was hat dich dazu bewogen Stammzellenspenderin zu werden?

    „Ich war 2013 mit meinen Freudinnen auf der Blaulichtparty am Bostalsee, auf der die Stefan-Morsch-Stiftung einen Infostand hatte. Dort habe ich mich über die Stammzellenspende informiert und wusste sofort, dass ich mich typisieren lassen möchte. Der Gedanke daran, dass ich dazu beitragen könnte, einem Menschen das Leben zu retten, überzeugte mich. Nach einem Abstrich der Mundschleimhaut wurden in den darauffolgenden Tagen Laborarbeiten durchgeführt, die für eine Aufnahme in die Stammzellspenderdatei erforderlich waren. Im Anschluss an die Analyse wurden alle notwendigen Daten in der Spenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung gespeichert und danach an das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) übermittelt, wo Suchanfragen von Patienten aus der ganzen Welt  aufgenommen werden.“

    Was sind die Voraussetzungen um Stammzellenspender/in zu werden?

    „Bei der Stefan-Morsch-Stiftung kann sich jede(r) gesunde Erwachsene ab 18 Jahren und jede(r) gesunde 16- Jährige mit dem Einverständnis der Eltern kostenlos typisieren und registrieren lassen. Bei Erwachsenen ab 40 Jahren oder bei Frauen mit mehr als zwei Schwangerschaften sind die Registrierungen nicht kostenlos, da in diesen Fällen weitere Untersuchungen durchgeführt werden müssen. Registrierte Personen können bis zum Alter von 61 Jahren bei entsprechender Gesundheit spenden.“

    Wie können wir uns die Typisierung und die Stammzellenspende vorstellen? Wie würdest du den Ablauf beschreiben?

    „Wie gesagt, die Typisierung ist ganz einfach. Den Slogan kennt sicher jeder: „Stäbchen rein, Spender sein!“ So einfach und schnell funktionierte es auch. Mit einem Wattestäbchen wird ein Abstrich der Mundschleimhaut gemacht, der dann ausgewertet wird und schon nach wenigen Tagen erhält man einen Spendeausweis.

    Im Februar 2019, fast sechs Jahre später,  habe ich den Anruf erhalten, dass ich eine potentielle Stammzellenspenderin wäre und wurde gefragt, ob ich weiterhin noch Interesse daran hätte, Stammzellen zu spenden. Nachdem ich das bejahte, wurde mir von der Stefan-Morsch-Stiftung nach zwei Tagen ein Päckchen geschickt, mit dem ich zu meinem Hausarzt ging. Dort wurde mir Blut entnommen, das ich am Anschluss wieder an das Blutlabor der Stefan-Morsch-Stiftung schickte. Nach wenigen weiteren Tagen, erhielt ich erneut einen Anruf, indem man mir mitteilte, dass die weiteren Blutmerkmale übereinstimmen, aber noch zusätzliche Untersuchungen durchgeführt werden müssen. Anschließend wiederholte sich diese Prozedur erneut: Blut abnehmen lassen, verschicken und abwarten. Nach vier Tagen erhielt ich erfreulicherweise wieder die Nachricht, dass meine Blutmerkmale weiterhin übereinstimmen.

    In einer Klinik in Düsseldorf hatte ich nach kurzer Zeit den Termin für die Knochenmarkspende. Die Stefan- Morsch-Stiftung buchte mir ein Hotelzimmer und ich durfte sogar meinen Mann mitnehmen. Beim Deutschen Roten Kreuz wurde ich körperlich gründlich untersucht und anschließend folgte eine ausführliche Aufklärung, in der ich unter anderem noch mal gefragt wurde, ob ich mir wirklich darüber im Klaren wäre, dass ich ein gesundheitliches Risiko, wie etwa die Infektionsgefahr an der Entnahmestelle, für einen mir völlig unbekannten Menschen eingehen würde. Nachdem ich dies bejahte, teilte mir der Arzt mit, dass er mich für die Knochenmarkspende frei geben würde und fragte mich prompt noch mal, ob ich mir mit dieser Entscheidung auch wirklich sicher wäre. Auch diesmal bejahte ich die Frage. Im Anschluss wurde ich darüber aufgeklärt, dass der Spendenempfänger auch vorbereitet wird, was im Klartext hieß, dass er eine starke Chemo- Therapie erhielt und das Immunsystem komplett runtergefahren wurde. Ich musste mir also absolut sicher sein diesen Weg zu gehen, denn wenn ich es mir zu einem späteren Zeitpunkt anders überlegt hätte, wäre das das sichere Todesurteil für den Empfänger gewesen.

    Am 7. April reisten wir wieder nach Düsseldorf und dank der Stefan- Morsch- Stiftung war von der Hotelbuchung bis zur Anmeldung im Krankenhaus wieder alles bestens organisiert. Am 8. April 2019 war es nun soweit. Der Tag der Stammzellenspende war gekommen. Direkt morgens wurde ich als erste Patientin operiert. Es war eine kleine Operation, die unproblematisch ablief. Auf dem OP- Tisch habe ich erfahren, dass ich einem kleinen dreijährigen Jungen aus Australien dabei helfen konnte, wieder gesund zu werden. Da es sich bei dem Empfänger um ein Kind handelte, wurden mir auch nur 560 Milliliter Knochenmarkflüssigkeit aus dem Beckenkamm entnommen. Ich habe nur zwei kleine Narben über dem Steißbein und hatte keine Probleme nach der Operation. Es fühlte sich an, als hätte ich Muskelkater in dem Bereich, aber ich hatte keine Schmerzen. Schon am gleichen Tag durfte ich ins Hotel und am nächsten Tag fuhr ich zurück nach Hause.

    Nach einer Woche und nach sechs Monaten bekam ich noch mal eine Blutuntersuchung. Über einen Zeitraum von zehn Jahren werde ich nun regelmäßig gesundheitlich begutachtet und kontrolliert. Um genau zu sein, finden die Untersuchungen nach dem ersten, zweiten, fünften und zehnten Jahr statt. Ich möchte nochmal betonen, dass der Ablauf wirklich komplett reibungslos verlief und ich mich wirklich gar nicht beschweren konnte. Ich habe mich gut betreut und wohl gefühlt.“

    Wie war die Knochenmarkspende für dich?

    „Es war eine interessante und spannende Erfahrung für mich. Ich habe an Emotionen alles Mögliche durchlebt, aber das war es wert. Von Vorfreude und Glück bis hin zu Sorge und starkem Stress. Ich hatte innerlich großen Druck, bis zur Operation nicht krank werden zu dürfen, da eine Verschiebung des Operationstermins für den kleinen Empfänger tödlich hätte ausgehen können, aber ich muss sagen, dass mich die Stefan- Morsch- Stiftung, rund um die Uhr sehr gut betreut und mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Die Hoffnung, dem kleinen Jungen ein tolles Leben zu schenken und der Gedanke daran, dass alles gut gehen wird, hat mich immer wieder bestärkt.“

    Heute ist klar, dass die Stammzellenspende erfolgreich war und du dem kleinen Jungen helfen konntest, wie ist das für dich?

    „Es macht mich glücklich. Nach sechs Monaten wusste man schon mehr und als ich Post aus Australien bekam, freute ich mich zu lesen, dass der kleine Mann bisher alles gut angenommen hat und sich sein Gesundheitszustand stetig verbessert.“

    Hast du regelmäßig Kontakt zu der Familie des kleinen Spendenempfängers?

    „Im September letzten Jahres habe ich der Familie eine Karte geschickt und erklärt, dass ich gerne in Kontakt treten würde. Im November erhielt ich ebenfalls eine Postkarte, in der die Eltern des kleinen Jungen mir mitteilten, wie glücklich sie sind, dass ich gespendet habe und, dass ich von nun an zur Familie gehören würde. Ich konnte die Dankbarkeit in jedem Wort lesen und war zu Tränen gerührt. Tatsächlich hat der kleine Spendenempfänger nun auch meine DNA in sich, er ist praktisch mein genetischer Zwilling. Die Eltern waren so froh, dass ihr kleiner Sohn nun endlich beginnen konnte Kind zu sein, Spaß zu haben und die Welt zu entdecken. Es war ein Traum diese Nachricht zu kriegen.“

    Wie hat es sich angefühlt, als du erfahren hast, dass du einem kranken Menschen Leben schenken konntest? Was hast du gedacht?

    „Beim ersten Telefonat habe ich über das gesamte Gesicht gestrahlt. Ich war stolz und glücklich. Ich konnte die Tränen nicht zurückhalten, da ich selbst Mutter einer einjährigen Tochter bin. Die Vorstellung, was der kleine Junge und die Eltern durchmachen müssen, brach mir das Herz. Es war unglaublich schön, dass ich mit wenig Zutun Leben ermöglichen konnte.“

    Was rätst du unseren Leserinnen und Lesern, die gerade überlegen sich typisieren zu lassen?

    „Wenn ihr euch sicher seid, dass ihr im Ernstfall auch spenden werdet, dann macht es. Natürlich ist es für den Körper eine anstrengende Prozedur, aber für das, was man damit bewirken kann, nämlich Leben retten, ist es das wert. Ganz wichtig finde ich den Gedanken, dass mehr kranken Menschen geholfen werden kann, wenn sich mehr gesunde Menschen typisieren lassen. Stellt euch vor eure Liebsten, eure Eltern, Kinder, Großeltern oder ihr selbst werdet krank und ihr wärt auf eine solche Knochenmarkspende angewiesen. Mit jedem Menschen, der sich typisieren lässt, wächst die Möglichkeit, dass andere Menschen wieder gesund werden und weiterleben können und dazu sollten wir alle beitragen. Je größer die Kartei der Registrierten wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir Leben retten können. Tut es!“

    Mut steht am Anfang jeden Handelns, Glück am Ende. [Demokrit]

    In diesem Interview mit dem Verein „Ally hilft“ spricht Katja noch mal ganz offen über ihre Erfahrung:

    Im Interview mit einer Knochenmarkspenderin

    ❌Wie läuft eine Knochenmarkspende ab❓❌➡️Unser Mitglied Katja Puhl 😊hat sich vor einigen Jahren typisieren lassen und letztes Jahr erhielt sie die Nachricht, dass sie als Spenderin in Frage kommt❗️Wie es von da an weiterging, erzählt sie im Video 🎬⬇️Hier gibt es auch einen ausführlichen Bericht ➡️ https://wndn.de/helden-des-alltags-wie-stammzellenspenderin-katja-puhl-einem-dreijaehrigen-das-leben-rettete/Weitere Infos erhaltet ihr auch bei der Stefan-Morsch-Stiftung

    Gepostet von Ally hilft – Handeln statt hoffen e.V. am Mittwoch, 19. Februar 2020

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