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  • Sonntag, 24. Mai 2020,

    Helden des Alltags- ein Interview zum Thema „Ehrenamt“- Teil 2

    Wir haben mit Menschen aus dem St. Wendeler Land gesprochen, die sich ehrenamtlich engagieren.

    wndn.de: Welche Rolle spielt das Ehrenamt in unserer Gesellschaft?

    Sind im Zuge der ehrenamtlichen Tätigkeit auch schon mal negative Erfahrungen gemacht worden?

    Und was war das schönste Erlebnis in Bezug auf das Ehrenamt?

    Wir haben mit verschiedenen Ehrenamtlichen über diese und weitere interessante Fragen gesprochen. Im zweiten Teil unserer „Ehrenamts-Serie“ waren unsere Interviewpartner:

    Natalie Zöhler, aus Winterbach, Mitglied Deutsches Rotes Kreuz Ortsverein Winterbach, Vorsitzende Förderverein DRK Winterbach

    Benjamin Neufang, aus Ottweiler, Vorsitzender Schwimmclub Neda St. Wendel e.V.

    Birgit D., aus St. Wendel, aktives Mitglied bei Ally hilft- Handeln statt Hoffen e.V.

    Thomas Becker, aus Marpingen, Vorsitzender Vielharmonie e.V.

    Welche Rolle spielt das Ehrenamt in unserer Gesellschaft?

    Natalie: „Das Ehrenamt spielt in der heutigen Zeit in unserer Gesellschaft eine riesige Rolle, denn ohne das ehrenamtliche Engagement, beispielsweise des Deuten Roten Kreuzes, wäre die Durchführung vieler Veranstaltungen nicht möglich. Hierfür kann jede(r)  Ehrenamtliche(r) vermutlich unzählige Beispiele aufzählen.“

    Benjamin: „Das Ehrenamt ist etwas unheimlich Wichtiges für die Person, die es ausübt und erst recht für die Gesellschaft. Es fühlt sich verdammt gut an, etwas geben zu können, was nicht bezahlbar ist. Heutzutage ist das wichtiger denn je. Ehrenamtliches Engagement gibt Rückhalt, sorgt für eine unterstützende Gemeinschaft, eine, in der man so sein kann, wie man möchte. Man kann seinen Hobbys nachgehen und wie beispielsweise in unserem Verein, auch seinen Lieblingssport ausüben. Mir persönlich bietet es einen Ausgleich vom Alltag und vor allem eins: viele, tolle Freundschaften.“

    Birgit: „Es ist so wichtig, dass es Menschen gibt, die von Herzen etwas für andere tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Für mich ist das Ehrenamt ein absolut wichtiger Stützpfeiler der Gesellschaft. Ehrenamtliche erhalten das Konstrukt „Gemeinschaft“ aufrecht. Ohne ehrenamtliche Helfer würde unser Miteinander ganz anders aussehen.“

    Thomas: „Nach meiner Überzeugung ist das Ehrenamt das Herz des Organismus, den wir Gesellschaft nennen. Das Ehrenamt ist die Pumpe, die alles in Bewegung bringt und hält und zwar kontinuierlich. Es ist die Quelle, die Emotionen erzeugt und andere begeistert, der Wärmespender, der Geborgenheit und (Nächsten)Liebe vermittelt, unabhängig von Hautfarbe, Religion oder anderer Eigenschaften und letztlich auch das Herz der Gesellschaft, welches schlägt, egal ob arm oder reich.“

    Habt ihr im Zuge eurer ehrenamtlichen Tätigkeit schon mal negative Erfahrungen gemacht?

    Natalie: „Ich hab in der Flüchtlingskrise 2015 negative Erfahrungen gemacht, wobei ich das Wort negativ nicht so mag, es sind eher besondere Ereignisse. Wir waren vom DRK Ortsverein Winterbach im Flüchtlingslager in Lebach eingesetzt und dort für die Unterbringung der Migranten verantwortlich. Der Einsatz ging an die physischen und psychischen Grenzen. Im privaten Bereich musste ich mir oft Stammtischparolen diesbezüglich anhören, aber ich habe mich dafür entschieden, Menschen zu helfen, egal welcher Herkunft sie entstammen und egal welche Hautfarbe sie haben. Solche Kommentare muss man ertragen und darauf reagieren. Trotzdem würde ich es jederzeit wieder machen.“

    Benjamin: „Bestimmt ja, aber die schönen Seiten sind da ganz klar überlegen. Mir fällt hier jetzt nichts Konkretes ein. Ich glaube im Ehrenamt ist man grundsätzlich auch viel entspannter, als beispielsweise im Beruf.“

    Birgit: „Die positiven und freudigen Erfahrungen überwiegen ganz eindeutig und sind Ansporn dafür immer weiterzumachen. Negative Erfahrungen kommen sehr selten vor, die meisten Menschen wertschätzen, dass Ehrenamtliche ihre Freizeit einbringen, um etwas Gutes zu tun. Wer ehrenamtliche Tätigkeiten belächelt oder nicht würdigt, sollte erst einmal selbst etwas auf die Beine stellen. Es gibt viele fleißige Vereine, die Gutes tun. Wer sich daran stört oder dies mit Selbstdarstellung verwechselt, ist keineswegs gezwungen die Taten weiterhin zu verfolgen. Wenn jeder etwas dazu beiträgt, dann können wir gemeinsam viel erreichen. Ehrenamt bewirkt etwas Positives für die Gemeinschaft und für jeden Einzelnen, also lasst uns zusammen etwas bewegen.“

    Thomas: „Nichts, was es in unserem Kosmos gibt, hat nur eine Seite. So wie es neben Glück auch Pech, neben Süß auch Sauer, neben Wärme auch Kälte gibt, so gibt es im Ehrenamt neben guten auch schlechte Erfahrungen. Manchmal regt es einen auf, wenn man vor der Mauer der deutschen Bürokratie steht und nicht weiß, wie man drüber kommen soll – Ehrenamt ist sehr viel Aufwand und das in der Freizeit. Manchmal nervt es, wenn man versucht, die vielschichtige Gemeinschaft zusammenzuhalten, aber einer laufend querschießt und Negativstimmung verbreitet. Manchmal frustriert es, wenn man sehr viel Zeit und Herzblut in die Nachwuchsarbeit steckt, die jungen Künstler dies aber „nicht danken“ und den Verein verlassen, bevor sie zu den Erwachsenen stoßen und den Verein in die Zukunft tragen können. Bei alledem gilt: Das Gute überwiegt. Die Menschen, für die man sich ehrenamtlich engagiert, wissen den Einsatz zu würdigen und honorieren dies immer wieder mit aufmunternden und dankenden Worten. Das ist Nahrung für die Seele und stärkt die Resilienz auch für den beruflichen Alltag.“

    Was war euer schönstes Erlebnis in Bezug auf eure ehrenamtliche Tätigkeit?

    Natalie: „Gerade im DRK-Dienst ist es das schönste Erlebnis, wenn ein Dienst ohne besondere Vorkommnisse endet und keine großen Schadensereignisse passiert sind, dann ist man dankbar. Generell ist Dankbarkeit das Schlüsselwort und genau diese erfährt man in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit von vielen Seiten. Sei es ein liebes Wort oder Motivation von Dritten. Das ist für mich wichtig und ermutigt mich permanent weiter zu machen!“

    Benjamin: „Ich habe ganz viele tolle Erlebnisse. Das schönste Erlebnis in unserem Verein, sind neben dem Teamgeist, die strahlenden Kinderaugen beim Ausstellen des Seepferdchenabzeichens. In genau diesen Momenten werde ich immer für die viele Arbeit, die vielen Stunden im und am Wasser, die komplette Vereinsorganisation mit allem was dazugehört, belohnt.“

    Birgit: „Mein schönstes Erlebnis war unsere Spendenveranstaltung für das Kinderhospiz- und Palliativteam Saar im November letzten Jahres. Ganz egal ob Helfer oder Besucher, an diesem Tag hatte man das Gefühl eine riesengroße Familie zu sein. Auch die Übergabe des Spendenschecks und der Veranstaltungserfolg waren für mich sehr ergreifend. Ich hatte Tränen in den Augen, weil es eine meiner absoluten Herzensangelegenheiten war und sich all die Mühe gelohnt hatte.“

    Thomas: „Mein schönstes Erlebnis in Bezug auf das Ehrenamt war bisher die Tatsache, dass die „VielHarmonie“ vom Saarländischen Chorverband im Jahr 2015 einen Förderpreis für ihre innovative Nachwuchsarbeit erhielt.“

    Wir danken allen Ehrenamtlichen, die sich für unsere Gemeinschaft einsetzen.

    „Ehrenamt ist keine Arbeit, die nicht bezahlt wird. Es ist Arbeit, die unbezahlbar ist.“ [Unbekannt]

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