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  • Sonntag, 31. Mai 2020,

    Helden des Alltags- ein Interview mit engagierten St. Wendelern zum Thema „Ehrenamt“- Teil 3

    In einer Interview-Serie beschäftigen wir uns mit dem Thema „Ehrenamt“.

    Wie kann sich jeder von uns ehrenamtlich engagieren ohne den Großteil seiner Freizeit zu „opfern“?

    Ehrenamtliches Engagement: Selbstloses Handeln oder manchmal auch Selbstdarstellung?

    Wieso sollte man sich ehrenamtlich engagieren? Und welche positiven Aspekte bringt das ehrenamtliche Handeln mit sich?

    Wir haben mit verschiedenen ehrenamtlichen St. Wendelern über diese und weitere interessante Fragen gesprochen. Im dritten Teil unserer „Ehrenamts-Serie“ waren unsere Interviewpartner:

    Miriam Busch, aus Schwarzerden, 2. Vorsitzende des FC Mithras Schwarzerden, Jugendleiterin der Handballabteilung, Trainerin der Frauenmannschaft

    Sascha Groß, aus Winterbach, langjähriger Trainer der Damen-Fußballmanschaft der Sportfreunde Winterbach e.V.

    Astrid Schmitt-Jochum, aus Tholey, Vorsitzende Deutscher Kinderschutzbund Kreisverband St. Wendel e.V.

    Tina Schuh, aus St. Wendel, Welpentrainerin bei Hundesportzentrum St. Wendel e.V.

    Wie kann sich jeder von uns ehrenamtlich engagieren ohne den Großteil seiner Freizeit dafür zu „opfern“? Habt ihr Ideen dazu?

    Miriam: „Wenn wir die Last auf mehreren Schultern verteilen können, muss sie nicht einer alleine tragen. Wenn alle eine kleine Aufgabe übernehmen, dann muss auch kein Einzelner, den Großteil seiner Freizeit „opfern“. Ich konnte als Studentin auch viel mehr Ehrenamtsaufgaben wahrnehmen als jetzt. Wenn man Vollzeit berufstätig ist oder auch Kinder im Spiel sind und man womöglich auch noch ein Hobby hat, wird der Zeitplan immer voller.“

    Sascha: „Wenn man Hobby und Ehrenamt verbinden kann, ist das eine gute Lösung um etwas  für andere und auch für sich selbst zu tun. Ich habe schon immer gerne Fußball gespielt und mich deshalb viele Jahre als Trainer der Damen-Fußballmannschaft der Sportfreunde Winterbach e.V. engagiert.“

    Astrid Schmitt-Jochum

    Astrid: „Ehrenamtliches Engagement kommt meiner Ansicht nach dann zustande, wenn man eine eigene Leidenschaft, eigene Interessen und die eigene Freude an einer Tätigkeit oder einem Thema mit einer sozialen Einstellung zu kombinieren weiß. Für mich ist ein wesentlicher weiterer Punkt, dass die Menschen, mit denen man dieses Ehrenamt gemeinsam ausübt, zusammen passen, ähnliche Einstellungen und Charaktere haben und „die Chemie“ stimmt. So kann es einem gelingen, auch freundschaftliche Begegnungen zu leben. Verantwortlichkeiten, Arbeitsaufkommen und Zeit müssen geteilt werden. Somit kann man das Gefühl verhindern, Freizeit „zu opfern“. Wenn  man sich auf die Treffen und die Tätigkeit freut, weil man sie gemeinsam mit gleichgesinnten, lieben Menschen ausübt, empfindet man Freude und Zufriedenheit, nicht Belastung.“

    Tina: „Auch ich finde, dass es die beste Möglichkeit ist, sich eine ehrenamtliche Betätigung zu suchen, die mit einem eigenen Hobby in Bezug steht und womit man seine Freizeit ohnehin bereits verbringt. In unserem Hundeverein sind alle ehrenamtlichen Helfer selbst aktive Hundesportler und haben Spaß daran, ihr eigenes Wissen und ihre Erfahrungen an andere weiterzugeben. So kann man Ehrenamt und Hobby optimal verbinden.“

    Es kommt vor, dass Ehrenamtlichen unterstellt wird, sie würden sich nur ehrenamtlich engagieren, um sich selbst in Szene zu setzen. Was meint ihr dazu? Selbstloses Handeln oder manchmal auch Selbstdarstellung?

    Miriam: „2002 war ich mit 17 Jahren zum ersten Mal als Co-Trainerin einer weiblichen E-Jugend in unserem Handballverein tätig. Danach kamen Trainerscheine, Fortbildungen, Schiedsrichterlehrgänge, eine ehrenamtliche Handball AG am Nachmittag, Besuche in Grundschulen um den Schülern den Vereinssport näher zu bringen, ein bisschen Öffentlichkeitsarbeit und, und und…wenn irgendwo an einer Stelle jemand gefehlt hat, bin ich eingesprungen. Eine Jugend hatte keine Trainerin, dann habe ich halt auch mal zwei Mannschaften trainiert. Mein Vater ist 1. Vorsitzender und auch Abteilungsleiter, da war das alles eine Selbstverständlichkeit für mich. Natürlich hatte dieses Engagement immer Eindruck bei Bewerbungen gemacht, aber dafür mache ich das nicht. Wenn man etwas richtig machen will, muss man mit Herzblut agieren, man bekommt ja nichts dafür. Von daher ist das bisschen Anerkennung, was wir von den Eltern der Kinder, den Kindern selbst und auch unseren interessierten Mitmenschen erhalten, unser Lohn.

    Fleißig zu sein und dies auch zu zeigen, gehört zur normalen und legitimen Öffentlichkeitsarbeit eines Vereines.  Wie soll ein Verein Mitglieder und Spenden generieren, wenn er nicht kommuniziert, was er alles auf die Beine stellt? Tu etwas Gutes und sprich darüber! Das ist auch das Motto eines Philanthropen. Wenn die Umweltorganisation „Earth Alliance“ von Leonardo DiCaprio drei Millionen Dollar spendet um die Buschfeuer in Australien zu stoppen, ist das Selbstdarstellung, weil es in den Medien berichtet wird oder denken dann womöglich auch andere schwerreiche Menschen: „Das kann ich auch!“? Neider könnten an Selbstdarstellung denken, andere Mitmenschen werden zur Nachahmung animiert.“

    Sascha: „ Das Ziel meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Trainer war vordergründig den Mädels dabei zu helfen sportlich voranzukommen, sie zu lehren eigene Grenzen zu überwinden und Stück für Stück besser zu werden. Die Zeit, die ich als Trainer jahrelang investiert habe, habe ich sehr gerne für andere und auch für mich investiert. Meine Beweggründe als Trainer zu fungieren hatten jedoch nichts mit Selbstdarstellung zu tun. Menschen, die einem so etwas unterstellen, sind häufig die, die selbst nichts Gutes tun, aber anderen Vorwürfe machen und  immer zu wissen scheinen, was andere besser machen sollen. Andrerseits ist es auch oft so, dass Menschen, die Ehrenamtlichen vorwerfen sich sogar mit den unwichtigsten Kleinigkeiten profilieren zu wollen, dies nur tun, weil sie neidisch sind und sich vernachlässigt fühlen, weil ihnen nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird.“

    Astrid: „Dies ist eine wahrhaft schwierige Frage. Ich glaube auch nicht, dass man dies immer so trennen kann. Vielmehr glaube ich, dass, wer mit Freude im Ehrenamt ist, nicht immer nur selbstlos handelt, sondern sich selbst auch etwas Gutes tut und das ist auch keinesfalls verwerflich! Vielleicht nehmen das nicht alle so wahr oder erkennen es nicht als solches. Aber wenn ich spüre, dass ich jemandem helfe, jemanden unterstützen kann und vielleicht auch spüre, dass die anderen sich darüber freuen und sie etwas mitnehmen aus der Begegnung oder dem Gespräch mit mir, dann strahlt auch auf mich etwas zurück, das mir gut tut. Genau das ist doch Menschlichkeit – und davon lebt das Ehrenamt.“

    Tina: „Bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit  sollte Selbstdarstellung natürlich kein Rolle spielen, man sollte nicht auf den eigenen Vorteil bedacht sein, sondern das Wohl der anderen in den Vordergrund stellen. Dennoch ist ein Ehrenamt keine komplett selbstlose Angelegenheit, da man viel Freude aus seiner Tätigkeit ziehen kann. Es macht Spaß, sich für andere einzusetzen, Wissen weiterzugeben und man erlebt viele interessante Begegnungen.“

    Wieso sollte man sich ehrenamtlich engagieren? Welche positiven Aspekte bringt das ehrenamtliche Handeln mit sich?

    Miriam: „ Ich habe damals auch von den ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern profitiert und gebe damit meinen Teil zurück. Viele Vereine sind auf Hilfe angewiesen und wenn wir alle zusammen anpacken, dann können wir auch etwas bewegen. Jeder hat da seine Interessen: Feuerwehr, Fußballverein, DRK, DLRG oder auch komplett wohltätige Vereine. Es kann sich jeder engagieren und wenn es nur Kuchen backen ist oder mal einen Dienst bei einem Sportfest oder Weihnachtsmarkt übernehmen. Die Gesellschaft braucht das Ehrenamt und wenn man sich engagiert, ist man danach auch glücklich, etwas dazu beigetragen zu haben.“

    Sascha: „Etwas für die Gemeinschaft zu tun fühlt sich gut an, macht Spaß und ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.  Dass mir das Trainer-Dasein viel Freude bereitet  hat und sich im Laufe der Zeit auch viele stabile Freundschaften entwickelt haben, ist ein zusätzlicher Bonus. Die gemeinsame Planung von Vereinsfahrten- und festen, die man zusammen  erleben durfte, haben uns alle immer sehr gefreut und Verbundenheit geschaffen.“

    Astrid: „Ich denke, dass man sich nur dann engagieren kann, wenn man selbst mit Herzblut in einem Bereich oder zu einem Thema tätig ist. Das Ziel der Tätigkeit muss sich mit meiner eigenen Lebenseinstellung und meinen menschlichen Idealen vereinbaren lassen. Dabei ist es gleich, ob dies sportliche, kulturelle oder soziale Tätigkeiten sind. Positiv dabei sind die menschlichen Kontakte, freundschaftliche, soziale und befriedigende Bindungen oder Beziehungen im Ehrenamt, positive Reaktionen der anderen, der Mitstreiter und Nutznießer der ehrenamtlichen Tätigkeit. Ehrenamt ist immer ein Geben und Nehmen. Wenn diese Balance stimmt, gelingt Ehrenamt und macht Spaß!“

    Tina : „Man sollte sich für eine Sache engagieren, die einem ganz persönlich am Herzen liegt und für die man sich selbst begeistert. Ehrenamtliches Handeln bringt viele positive Aspekte mit sich: Es ist schön, andere an das eigene Hobby, in meinem Fall den Hundesport, heranzuführen und es erfüllt einen mit Freude, zu sehen, wie die eigenen Ratschläge und Tipps umgesetzt werden, die Trainingsteilnehmer mit ihren Hunden in jeder Übungsstunde dazulernen. Ich kann in der Welpenstunde dazu beitragen, den Grundstock für Bindung, Vertrauen und einen richtigen Umgang des Mensch-Hund-Teams zu legen und das ist einfach toll.“

    Wir danken allen Ehrenamtlichen, die sich für unsere Gemeinschaft einsetzen.

    „Willst du froh und glücklich leben, lass ein Ehrenamt dir geben.“ [Unbekannt]

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