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  • Dienstag, 6. Oktober 2020,

    Gedenken an „Wagner-Bürckel-Aktion“

    Stolpersteine (Symbolbild)

    Vor 80 Jahren, am 22. Oktober 1940, wurden 6500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland bei der so genannten „Wagner-Bürckel-Aktion“ in das Internierungslager Gurs (Frankreich) verschleppt – die erste Massendeportation im Dritten Reich. Diese Maßnahme ging von Josef Bürckel, Gauleiter Saarpfalz, und Robert Wagner, Gauleiter Baden, aus und sah vor, alle Juden aus ihrem Machtreich zu vertreiben. Davon waren 134 Menschen aus dem Saarland betroffen, aus dem heutigen Landkreis St. Wendel acht.

    Aus Anlass des 80. Jahrestages der Deportation wird es am Donnerstag, 22. Oktober, eine Gedenkstunde in St. Wendel geben. „Wir erinnern, damit es nicht vergessen wird. In unserer Zeit wichtiger denn je. Wir beobachten hier und anderswo autoritäre Tendenzen, Ausgrenzung und Hass, Antisemitismus, Populismus und die Missachtung der Menschenwürde. Wir beobachten, dass sich Menschen gegen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung stellen. Dagegen müssen wir uns stellen. Dies ist eine Lehre unserer Geschichte. Zum Erinnern gehört auch Aufklären, Aufzeigen, wozu es führen kann, wenn wir unsere Augen verschließen“, sagt Landrat Udo Recktenwald.



    Am 22. Oktober wird das Adolf-Bender-Zentrum ganztätig mit Aktionen an die Deportation erinnern. Um 16 Uhr bietet Eberhard Wagner, Vorsitzender des Marpinger Vereins „Wider das Vergessen und gegen Rassismus“, eine Stadtführung an. Stolpersteine für die am 22. Oktober nach Gurs deportierten jüdischen Bürger St. Wendels, sowie der Standort der ehemaligen Synagoge sind die Ziele. Treffpunkt der Stadtführung ist der Schlossplatz St. Wendel. Aufgrund der Corona-Pandemie gelten bei dieser Veranstaltung der aktuellen Hygieneregeln. Daher ist eine Voranmeldung per Mail an  verein@widerdasvergessen.de nötig.

    Um 17.30 Uhr beginnt die Gedenkstunde in der evangelischen Stadtkirche St. Wendel. Neben Landrat Udo Recktenwald wird Kathrin Andres, Abteilungsleiterin Bildung im Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes sprechen. Danach referiert der Historiker Dieter Wolfanger zum Thema „Die Deportation der Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland am 22. Oktober 1940“. Anschließend folgt eine Andacht unter Leitung von Pfarrerin Christine Unrath. Die musikalische Begleitung wird Jürgen Brill übernehmen.

    Auch für die Gedenkstunde in der Stadtkirche gelten Abstands- und Hygieneregeln. Daher sind für die Veranstaltung im Kirchenraum und im angrenzenden Saal insgesamt 60 Gäste zugelassen. Daher wird um Anmeldungen gebeten: E-Mail: st.wendel@ekir.de, Tel. (06851) 2500. Es werden ausschließlich Sitzplätze vergeben. Zudem sind mehrere Lüftungspausen vorgesehen.

    Hintergrund:

    Die von den Kultusministern von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland am 9. September 2019 geschlossene Ländervereinbarung sieht die Instandhaltung der Deportiertenfriedhöfe in Gurs und der Region vor. Zum 80. Jahrestag der sogenannten „Wagner-Bürckel-Aktion“ sollte zudem die Ausstellung unter dem Titel „Gurs 1940. Deportation und Ermordung südwestdeutscher Jüdinnen und Juden“ eröffnet werden. Damit betraute das für das Projekt federführende baden-württembergische Kultusministerium die Bildungs- und Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“, Berlin. „Gurs“ steht für die erste große Deportation bevor in Folge der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 die Deportationen in die Vernichtungslager in Osteuropa begannen. 

    Die am 80. Jahrestag geplante Eröffnung in der Evangelischen Stadtkirche St. Wendel wurde aufgrund der Corona-Pandemie auf den 8. April 2021 verschoben. Dann öffnet die Ausstellung auch in allen anderen Landkreisen und dem Regionalverband Saarbrücken. Das ist möglich, weil die auf 26 Wandtafeln konzipiert Ausstellung zum Ausdrucken vorliegt. Die Landeszentrale für politische Bildung Saarland koordiniert die Ausstellungsaktivitäten und stellt allen Landkreisen die Ausstellungstafeln kostenlos zum dauerhaften Verbleib zur Verfügung.

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