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  • Freitag, 20. März 2020,

    Erklärung von Landrat Udo Recktenwald zu Ausgangsbeschränkungen

    Landrat Udo Recktenwald

    Erklärung von Landrat Udo Recktenwald zur Entscheidung des Ministerpräsidenten und der Landesregierung zur Verhängung von Ausgangsbeschränkungen:

    „Ich begrüße ausdrücklich den Vorstoß unseres Ministerpräsidenten Tobias Hans und seines Kabinetts Ausgangsbeschränkungen zu verhängen. Da die Allgemeinverfügung vom 16. März nicht ausreicht, ist ein schärferes Ansammlungsverbot erforderlich. Dies folgt dem, was ich bereits am Mittwoch gefordert habe, auch wenn es möglicherweise nicht weit genug geht. Aber es ist ein wichtiger weiterer Schritt. Verstöße sind nach dem Infektionsschutzgesetz Straftaten und werden von der jeweiligen Ortspolizeibehörde verfolgt.

    Als Landrat bin ich dem Wohl und dem Schutz der Bürgerinnen und Bürger des Landkreises verpflichtet. Vor dem Hintergrund dessen, was die Experten des Robert-Koch-Instituts und die Mediziner mit Blick auf die Verbreitung des Corona-Virus SARS-CoV-2 sagen, müssen wir die weitere Ausbreitung durch Fallfindung und Absonderung enger Kontaktpersonen, durch die Gewährleistung sozialer Distanz und durch den gezielten Schutz vulnerabler Gruppen (also älterer und vorbelasteter Menschen) verlangsamen.

    Es gibt überhaupt keine Veranlassung, die Expertenmeinung in Frage zu stellen. Dazu genügt schon der Blick auf die Entwicklung in anderen Ländern wie Italien. Gerade mit Blick auf besonders gefährdete Menschen ist es daher unverantwortlich, wenn es nach wie vor Personen gibt, die die Vorgaben und Vorschriften zur sozialen Distanz missachten. Was sich teilweise auf öffentlichen Plätzen und in öffentlich zugänglichen Märkten abspielt, hat mit Verantwortungsbewusstsein, Sorgfalt und Solidarität nichts mehr zu tun.

    Natürlich haben Menschen Angst, machen sich Sorgen und Gedanken über ihre private Situation. Es macht aber keinen Sinn, dem mit Panik, Hamsterkäufen und Corona-Partys begegnen zu wollen. Es wäre endlich mal an der Zeit, den Wissenschaftlern, Medizinern und Behörden zu glauben und zu vertrauen, anstatt jedes Komma zu hinterfragen. Jede Entscheidung wird im Bewusstsein und in Abwägung der Gesamtzusammenhänge getroffen. Auch Entscheidungen, die nicht jeder sofort nachvollziehen kann, fundieren auf Abwägungen und Erkenntnissen. Es wäre schön, wenn die Menschen den Verantwortlichen in dieser schwierigen Situation vertrauen und die Anweisungen befolgen würden. Wir alle würden viel lieber anderes tun, das gilt auch für uns in der Verantwortung und für die Menschen in unseren Stäben, die an sieben Tagen rund um die Uhr im Lagezentrum alles dafür tun, mit der Epidemie und ihren Folgen verantwortungsvoll und im Interesse der Bevölkerung umzugehen.

    Binnen 24 Stunden gab es in Deutschland 3000 Neuninfektionen. Zitat Robert-Koch-Institut-Chef Wieler: „Wir sind alle in einer Krise, die ein Ausmaß hat, das ich mir selber habe nie vorstellen können. Ich möchte, dass alle den Ernst der Lage erkennen. Die noch niedrige Todesrate wird sich schnell ändern. Wir sind am Anfang einer Epidemie. Wir sind in einem exponentiellen Wachstum.“ Gerade der Landkreis St. Wendel ist derzeit im Vergleich wesentlich stärker mit Fallzahlen betroffen als das Saarland und der Bundesschnitt, was natürlich auch mit einer intensiven Nachverfolgung zusammenhängen kann. Diese Entwicklung treibt mich mit Sorge um. Das gilt auch für die weitere Zunahme positiver Fälle von Mitarbeitern des Marienkrankenhauses. Deshalb und um den Schutz der Patienten sicherzustellen haben wir uns am heutigen Tag mit Ministerium und Marienkrankenhaus darauf verständigt, keine neuen Patienten am Standort mehr aufzunehmen und ein individuelles und strukturiertes Entlass-Management für Patienten zu gewährleisten.

    In enger Kooperation mit den Bürgermeistern und Ortsvorstehern entsteht in den Dörfern – über die bereits bestehenden und lobenswerten ehrenamtlichen Initiativen vor Ort hinaus – ein Service für ältere Menschen, um sie mit Lebensmitteln und dringend benötigten Gütern zu versorgen, damit sie das Haus nicht verlassen müssen. Die Bürgermeister werden dazu auf die Betroffenen zukommen und sie schriftlich informieren. Außerdem wird es voraussichtlich ab Dienstag ein regionales Abstrichzentrum auch in St. Wendel geben. Bisher schon wurden die Teams der Kassenärzte vom mobilen, ehrenamtlichen Team des Landkreises mit Helferinnen und Helfern aus den Hilfsorganisationen unterstützt. Hinzu kommt nun in Zusammenarbeit zwischen Kassenärzten und der Bundeswehr das „Drive-In“-Zentrum bei der HIL in St. Wendel. Näheres dazu werden Sie in den nächsten Tagen von den Verantwortlichen erfahren. Bleiben Sie gesund!“
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