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  • Freitag, 29. Januar 2016,

    Der Junge von der Straße – Ein Interview mit Jimmy Kelly

    Der Name Kelly ist kein unbekannter. The Kelly Family war in ihren Anfängen auf der Straße mit ihrer Musik in sämtlichen Städten rund um den Erdball unterwegs. In den 90er Jahren kam dann der große kommerzielle Durchbruch, die Kellys wurden gefeiert, sie füllten große Hallen und die Fans verehrten sie. Dann wurde es still, dennoch sind die meisten „Kellys“ nach wie vor musikalisch aktiv. So auch Jimmy Kelly, der am Sonntag, den 31. Januar in der Kulturscheune in Oberlinxweiler  mit seiner Tour „The Streetkid“ gastiert. In einem sehr ausführlichen, ehrlichen Gespräch hat der leidenschaftliche Musiker über die kommende Tour, die Musik und die Zeit mit der Kelly Family erzählt.

    Jimmy, Du hast mit „The Streetkid“ eine große Tour vor Dir? Einige Konzerte sind schon ausverkauft. Hast Du damit gerechnet?

    Das ist für mein Ego sehr schmeichelnd, aber das sind keine riesige Hallen. Ich freue mich sehr. Man muss bedenken, dass ich vor ein paar Jahren auf den Boden gefallen bin, konkret auf die Straße. Das war nachdem ich musikalisch viel mit der Familie unterwegs war. Ich hoffe, dass ich den Leuten das bieten kann, wofür sie bezahlen und was sie erwarten.

    Die letzte Tour hieß „Viva la Street“, was ist nach dieser Tour bis jetzt passiert?

    Ich habe eine Pause gemacht, meine Frau hat unser drittes Kind bekommen. Die „Viva la Street“- Tour war sehr erfolgreich, aber ich bin auch Vater und daher wollte ich nach dieser Tour einfach mal eine Pause einlegen und für meine Familie da sein. Um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, war ich dann trotzdem im Sommer als Straßenmusiker unterwegs.

    Handelt „ The Streetkid“ von dieser Zeit?

    Ja, aber auf der Tour wird es auch einige ältere Lieder geben. Allerdings wird alles ein wenig kleiner, wir sind nur mit sieben Leuten unterwegs. Es wird nicht mehr die große Partytour wie bei „Viva la Street“. Ich werde in vielen Chansons das wiedergeben, was ich auf der Straße erlebt habe. Ich besinge die Begegnungen, die mich inspiriert haben. Die Straße hat so viele schöne Geschichten zu bieten. Durch meinen Fall zurück auf die Straße konnte ich viel Hoffnung schöpfen. Wenn man Menschen „face to face“ trifft und nicht nur virtuell, dann kann man daraus sehr viel Positives ziehen. Die einfachen Menschen sind bewundernswert. Sie sind immer noch auf der Suche nach ihrem Glück. Gerade in der heutigen Zeit, in der in den Medien viel Negatives kommuniziert wird, sind Werte wie Hoffnung wichtig. Es gibt diese Stories und die erfährt man, wenn man mit den Menschen redet.

    Kannst Du Dich noch an Dein erstes Straßenkonzert mit der Familie erinnern?

    Das war in Madrid und ich  war sieben oder acht Jahre alt. Mit dem Tambourin bin ich rund gegangen und habe Geld eingesammelt. Allerdings konnten wir erst kurz danach von der Straßenmusik leben. Das war dann in Italien. Es gab die Lira noch. Wir bekamen nur Scheine und hatten den Koffer voll. Wir dachten, wir seien Millionäre.(lacht)

    Gab es irgendwann den Moment, in dem Du gerne was anderes gemacht hättest?

    Klar, wie jedes Kind hatte ich immer wieder eine Idee, was ich werden möchte. Ich wollte mal Priester werden, dann Architekt, dann habe ich irgendwann mal gedacht, ich möchte Schauspieler sein. Aber im Großen und Ganzen habe ich ein riesiges Abenteuer gelebt. Es gab natürlich Dinge, die nicht immer Spaß gemacht haben. Aber mir war klar, dass ich da mit der Familie in einem riesigen Gotteswerk war. Bekanntlicher Weise war es mit meinem Vater nicht immer einfach. Es ging ihm oft schlecht, dann hatte er auf einmal eine riesige Idee und wir waren wochenlang auf einem tollen Hoch. Alle Ups and Downs haben wir miterlebt und mitgelebt.

    Du sagtest, dass Du Dich in den 90er Jahren mit dem großen Erfolg der Kelly Family oft fehl am Platze fühltest. Kannst Du das genauer definieren?

    Wir haben den Erfolg gesucht, aber das war so ein schneller Prozess, dass man sich gar nicht darauf einstellen konnte. Wir haben das Business bedient, was jeden einzelnen von uns in seiner eigenen Art und Weise ausgesaugt hat. Für unsere persönlichen Beziehungen untereinander war das sehr problematisch. Bei mir war es eine Mischung aus Abheben und Enttäuschung. Enttäuschung darüber, dass wir nicht mehr das waren, was wir ausdrücken wollten. Das, was wir gesungen haben, das war immer authentisch. Aber in der Zeit, als wir noch auf der Straße spielten, lebten wir dieses Leben. Als der Erfolg kam, hieß es, wir brauchen noch eine Story für Euch, wir wurden kurz nach Paris geflogen, um dort Fotos für einen Bravoartikel zu machen und dann ging es wieder nach Hause. Das war nicht mehr das echte Leben. Innerlich hat mich das zerrissen. Es waren große Konflikte und eine turbulente Zeit.

    Was ist Dein Geheimrezept?

    Ein Künstler sollte sich immer wieder neu zu entdecken. Er sollte eine Art Columbus sein, einfach rausgehen, eine Intuition haben, auch das Risiko nicht scheuen und dann kommt die Überraschung.

    Wir Kellys haben keine andere Wahl, wir haben nichts anderes gelernt. Der einzige, der was anderes macht ist Joey, der hat den Sport für sich entdeckt. Ich werde singen, bis ich tot bin, ob nun für drei Leute oder für mehr. Eine Berufung ist eine Berufung.

    Kennst Du sowas wie Lampenfieber noch?

    Auf jeden Fall, klar. Wenn man das nicht hat, dann holt man auch nicht alles aus sich raus.

    Das „Wir“ Gefühl ist Dir sehr wichtig auf Konzerten. Wie stellst Du das an?

    Ich habe so viele Geschichten erlebt. Es gibt ein Buch, das lege ich bei meinen Straßenkonzerten hin und die Leute dürfen da reinschreiben. Es sind gewöhnliche Menschen, die da rein schreiben, aber die Geschichten sind großartig und man kann daraus sehr viel für sich raus ziehen. Das ist es, was ich den Menschen auf meinen Konzerten mit meinen Liedern mitgeben möchte.

    Auf Deiner Facebookseite kann man in einem Video eine Beatboxeinlage von Dir bestaunen, dürfen wir so etwas auch auf Deinem Konzert  erwarten?

    Haha, das kommt spontan. Es war ein Battle zwischen Angelo und mir. Ich wollte ihm beweisen, dass ich der bessere Drummer bin.

     

    (Bild: Management)

     

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