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  • Sonntag, 31. Mai 2020,

    Der Geburtstag der Kirche und das Fest der Verständigung – worum es an Pfingsten geht

    An diesem Wochenende ist es wieder soweit: Es ist Pfingsten. Und das bedeutet: Mal wieder gibt es ein langes Wochenende, denn am Pfingstmontag ist frei. Wieder mal ein Feiertag im Frühling, der Zeit gibt, das schöne Wetter zu genießen, Sport zu machen oder Zeit mit der Familie zu verbringen. Aber worum geht es eigentlich an Pfingsten? Pfingsten gilt nach Ostern und Weihnachten als drittwichtigster Feiertag im Kirchenjahr. Doch während jedes Kind weiß, was an Weihnachten und Ostern gefeiert wird, ist dies bei Pfingsten wohl selbst den meisten Erwachsenen nicht klar. Denn Pfingsten ist ein schwerer zu fassendes Fest.

    DAS PFINGSTEREIGNIS

    Der Ursprung des Festes Pfingsten (von griechisch „pentēkostēhēméra“ = 50. Tag (nach dem Ostersonntag)) liegt im Pfingstereignis, das der Evangelist Lukas in der Apostelgeschichte (2, 1-13) beschreibt.

    Nach der Überlieferung des Neuen Testaments war Jesus Christus am Karfreitag gekreuzigt worden und am dritten Tage, am Ostersonntag, von den Toten auferstanden. Am Tag seiner Himmelfahrt (40. Tag nach Ostern) sagte Jesus seinen Jüngern voraus:

    Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa (…) und bis an die Grenzen der Erde“. (Apostelgeschichte 1, 8)

    Zehn Tage später – am Pfingsttag – erfüllt sich dann laut Lukas die Vorhersage Jesu. Die Jünger und Maria hatten sich in einem Saal in Jerusalem hinter verschlossenen Türen versammelt. Den Jüngern ging es ein wenig so, wie es uns geht, wenn ein wichtiger Mensch uns verlässt: Sie haben Zweifel und Sorgen. Sie sind verunsichert und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Dann kommt es zum Pfingstwunder:

    Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

    In Jerusalem aber wohnten Juden (…) aus allen Völkern (…). Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten. Juden (…) und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

    Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten? Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.“ (Apostelgeschichte 2, 1-13)

    WER IST DER HEILIGE GEIST UND WAS HAT DAS ZU BEDEUTEN?

    Ja, was hat das Ganze zu bedeuten? Diese Frage stellt sich damals wie heute. Wer oder was ist eigentlich der Heilige Geist? Was hat das Feuer zu bedeuten? Und was will uns diese Geschichte sagen? Hat diese Geschichte eine tiefere Bedeutung oder ist es nur eine „besoffene Geschichte“?

    Der Heilige Geist ist nach christlicher Vorstellung Teil des dreifaltigen Gottes, der sog. Heiligen Dreifaltigkeit („Trinität“). Wenn Christen sich bekreuzigen, dann machen sie das „Im Namen des Vaters [Gottvater] und des Sohnes [Jesus Christus] und des Heiligen Geistes“. Der Heilige Geist ist der Geist Gottes. Christen sehen in Jesus Christus, wie Gott ist und Gott wirkt in uns Menschen durch den Heiligen Geist. Mit dem Heiligen Geist bleibt die historische Figur Jesus von Nazareth lebendig und gegenwärtig.

    Das Pfingstwunder erzählt, wie der Heilige Geist, der durch Sturmwind und Feuer symbolisiert wird, die Menschen erfüllt. Die Feuer-Zungen des Heiligen Geistes, die sich auf die Anwesenden niederlassen, zeigen uns: Die Jünger werden durch die Erfüllung mit dem Heiligen Geist im wahrsten Sinne des Wortes „Feuer und Flamme“ für Jesus Christus und seine Botschaft. Sie werden davon buchstäblich be-geistert. Das Feuer symbolisiert Leidenschaft, Liebe, Hingabe und Begeisterung. Es symbolisiert Enthusiasmus. Und ein Enthusiast (von griechisch: „éntheos“) ist daher auch passenderweise „der von Gott Erfüllte“.

    Und die Feuer-Zungen symbolisieren noch etwas anderes. Die vom Geist Gottes erfüllten Menschen, haben plötzlich die Fähigkeit, fremde Sprachen zu sprechen. So können sie auch von anderssprachigen Menschen verstanden werden und ihre Begeisterung für den christlichen Glauben an diese Menschen weitergeben.

    DER GEBURTSTAG DER KIRCHE

    Die Probleme der Jünger sind nicht verschwunden, aber die Jünger haben jetzt keine Angst mehr vor Haft und Tod. Die Jünger, die sich gerade noch voller Angst in einem kleinen Saal verschanzt hatten,  „brennen“ nun darauf, mit Mut und frei von Furcht als „Zeugen Jesu“ den Menschen aller Völker der Welt von der Liebe Gottes und dem Sieg des Lebens über den Tod zu erzählen. Pfingsten gilt daher als „Geburtstag der Kirche“, der heute ältesten und langlebigsten Organisation der Menschheitsgeschichte. Pfingsten zeigt uns, dass die heutige katholische Weltkirche von Anfang an „katholisch“ – also allumfassend und somit eine „Kirche aller Völker“ war. Eine Welt- und Volkskirche, die alle ethnischen, sozialen und nationalen Grenzen überwindet. Die Kirche verbindet Menschen. Das Pfingstwunder zeigt uns, dass Menschen aller Völker Kinder Gottes sind und dass Menschen auf der ganzen Welt über alle Grenzen hinweg – „bis an die Grenzen der Erde“ – durch die christliche Botschaft miteinander verbunden sind.

    DAS FEST DER VERSTÄNDIGUNG

    Die christliche Botschaft ist die Botschaft der Nächstenliebe, Vergebung, Versöhnung und Erlösung. Sie kennt keine Grenzen und kann von allen Menschen verstanden werden.

    Pfingsten ist daher das Fest der Vereinigung und der Gemeinschaft sowie das Fest des Verstehens und des Miteinanders. Pfingsten erinnert uns daran, dass als Christ zu handeln, bedeutet, verständnisvoll zu sein und an andere zu denken.

    Aus eigener Erfahrung wissen wir aber, dass es nicht immer einfach ist, andere und deren Verhaltensweisen zu verstehen. Es ist nicht einfach, sich in andere hineinzuversetzen und die Interessen anderer zu sehen.

    Durch moderne Kommunikations- und Transportmittel sind Entfernungen, die Menschen trennen, heute kleiner geworden. Durch moderne Medien wie das Fernsehen oder das Internet haben wir heute Zugang zu so viel Informationen und Nachrichten wie nie zuvor. Und auch Sprachbarrieren sind durch „Google Übersetzer“ & Co. kleiner geworden. Doch auch wenn die Möglichkeiten, einander zu verstehen, gewachsen sind, ist damit nicht auch automatisch unser Verständnis füreinander gewachsen. Im Gegenteil: In vielen Ländern der westlichen Welt, sind gesellschaftliche, politische und kulturelle Gräben so tief, wie lange nicht mehr.

    Doch was hat der „Heilige Geist“ mit dem Verständnis und dem Miteinander von uns Menschen zu tun? Mit der Menschheit ist es ein wenig wie mit einer Fußballmannschaft. Wenn sich jeder in einer Mannschaft für den Größten hält, egoistisch ist und nur an sich denkt, kann die Mannschaft keinen Erfolg haben. In einer erfolgreichen Mannschaft ordnet sich jeder Spieler dem großen Ganzen unter. Für den Erfolg braucht es partnerschaftliches und kameradschaftliches Handeln: Eine starke Mannschaft braucht einen Teamgeist, der den Spielern ein Wir-Gefühl und ein Verständnis füreinander gibt.

    Mit dem Heiligen Geist ist es wie mit dem Teamgeist: Man kann ihn weder direkt sehen noch beweisen. Er zeigt sich in der Einstellung und im Handeln. Er gibt uns die Fähigkeit, einander zu verstehen und zusammenzuarbeiten.

    Papst Benedikt XVI. beschrieb den Heiligen Geist daher einmal so: „Der Heilige Geist macht uns fähig, den Nächsten zu lieben und dazu bereit, ihm zu dienen. Der Heilige Geist ist die Kraft der Liebe.“

    Und ohne Liebe bzw. Respekt für den Nächsten gibt es kein Verständnis füreinander. Es gibt ein Lied aus den 90er-Jahren, in dem es heißt: „Bevor du mich verurteilst, versuche mich zu lieben“ („Before you judge me, try hard to love me“). Anders formuliert könnte man auch sagen: Wer den anderen verstehen will, muss es gut mit ihm meinen. Pfingsten erinnert uns auch daran, dass man – im Kleinen wie im Großen – versuchen sollte, nicht nur Trennendes, sondern auch Gemeinsamkeiten und Verbindendes zu suchen bzw. zu finden und so eine Grundlage zu schaffen für Frieden, Zusammenarbeit und Verständnis in der Welt.

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