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  • Sonntag, 26. Januar 2020,

    Das Phänomen „Verlustangst“- wenn uns die Sorgen einnehmen

    Wer von euch kennt das? Die Angst davor Menschen, die uns nahe stehen, zu verlieren? Wahrscheinlich ist diese Sorge vielen von uns geläufig. Aber was tun wir, wenn diese Befürchtung stärker und zunehmend beunruhigender wird? Uns die negative Gedankenspirale nicht mehr loslässt, das Grübeln nicht mehr aufhört und wir uns in jeder freien Minute damit beschäftigen, was wohl geschehen wird, wenn uns geliebte Personen verlassen?  

    Die Angst unseren Partner, unsere Eltern, Kinder oder sonstige nahestehende Familienmitglieder oder Freunde zu verlieren, holt früher oder später sicher jeden von uns einmal ein. Den einen weniger, den anderen mehr. Aber wie schaffen wir es diese Angst zu überwinden, wenn sie uns über einen längeren Zeitraum immer wieder begegnet?

    Angst, ist an sich ursprünglich etwas Gutes, denn das Gefühl der Angst ist ein wichtiges Warnsignal, das uns davor schützt, uns in gefährliche Situationen zu begeben und uns befähigt im Notfall zügig zu reagieren. Wenn uns eine besondere Form der Angst, wie etwa die Verlustangst, zunehmend beschäftigt, plagt und sogar einen hohen Leidensdruck verursacht, sollten wir jedoch etwas dagegen unternehmen. 

    Was können Auslöser für Verlustangst sein? 

    Die schwere Erkrankung unserer Mutter, das Ableben des Vierbeiners, der uns über ein Jahrzehnt treu begleitet hat, oder der Tod eines geliebten Menschen, gerade solche traumatisierenden Erfahrungen können Auslöser dafür sein, dass unser seelischer Schmerz lange andauert und wir immer stärkere Ängste entwickeln, die alles überlagern können. Die Verlustangst kann also aus einem für uns traumatischen Erlebnis resultieren. 

    Ein solches Ereignis kann auch, wie zum Beispiel die Trennung der Eltern, schon in der Kindheit stattgefunden haben, uns aber erst im späteren Leben einholen. Unsere engsten Bezugspersonen vermitteln uns in der Kindheit optimalerweise Liebe, Fürsorge, Geborgenheit und Sicherheit. Werden wir als Kinder hingegen vernachlässigt, alleine gelassen, schlecht behandelt und erfahren wenig Liebe, kann dies uns nachhaltig prägen und dazu führen, dass wir uns nicht akzeptiert, minderwertig und abgelehnt fühlen. 

    Welche Konsequenzen können aus der Verlustangst resultieren?

    Die Verlustangst kann zu Antrieblosigkeit, Einsamkeit, einer übermäßigen Beschäftigung mit dem Tod, tiefer Trauer, Depressionen und anderen auffälligen Verhaltensweisen führen. 

    Viele Betroffene sind sehr pessimistisch eingestellt, haben Probleme damit, Menschen näher an sich ranzulassen oder sich auf Dauer zu binden. Sie können nur schwer Nähe und Vertrauen zulassen. Im Gegensatz hierzu gibt es aber auch Menschen, die das Alleinsein nicht gut aushalten und immer andere Menschen um sich herum brauchen, ganz gleich, ob diese ihnen gut tun oder nicht. Hauptsache der Verlust wird vermieden. Ein zu starkes Klammern kann dann dazu führen, dass sich unsere selbsterfüllende Prophezeiung, die dann beispielsweise  „Jeder verlässt mich!“ lautet, tatsächlich bewahrheitet und schon ist der Teufelskreis komplett. Oft haben Betroffene große Angst davor, verlassen zu werden, bewirken aber mit ihrem Verhalten eben genau das. Viele unterliegen auch dem Zwang, sich ständig rückversichern zu müssen, dass alles in Ordnung ist. Die Verlustangst kann sich auf verschiedenen Ebenen manifestieren und der Grund muss nicht einmal real existent sein. Es muss also kein wahrhaftiges Risiko, wie zum Beispiel eine schwerwiegende Erkrankung einer geliebten Person, bestehen, die das Leben dieser Person ernsthaft gefährdet. Alleine der Gedanke daran, dass der geliebte Mensch irgendwann sterben wird, reicht völlig aus um in grenzenlose Trauer zu versinken. 

    Macht ihr euch sofort große Sorgen, wenn ihr eure Eltern anruft und niemand ans Telefon geht? Habt ihr Angst, dass eurem Kind etwas Schlimmes zugestoßen ist, wenn es ein wenig zu spät dran ist? Denkt ihr darüber nach, wie unerträglich es wohl wäre, wenn euer Partner bei einem Unfall umkommen würde? Seht ihr schon vor eurem inneren Auge wie ihr dann zusammensackt und vor Schmerz fast zerbrecht? Seht ihr euch schon auf der Beerdigung eurer Liebsten? 

    Für Menschen mit starken Verlustängsten sind diese Fragen und Vorstellungen nahezu täglich als schrecklichstes Szenario, das sie sich ausmalen können, gegenwärtig. Selbst in  Momenten, in denen die Betroffenen Zeit mit ihren Liebsten verbringen und in denen sie eigentlich glücklich sind, beschäftigen sie sich damit, wie traurig, schlimm und schmerzhaft es sein wird, wenn es derartige gemeinsame Augenblicke nicht mehr geben wird. Dadurch verwehren sich Betroffene selbst im Hier und Jetzt zu sein und genau diese wunderschönen und unvergesslichen Momente zu genießen und unbeschwert zu leben. Das kann doch niemand wollen, oder? 

    Menschen, die nicht unter Verlustangst leiden, akzeptieren den irgendwann eintretenden Verlust und denken im Vorfeld meistens gar nicht weiter darüber nach. Dieses gesunde Außer- Acht- Lassen, müssen Betroffene erst Stück für Stück lernen.

    Was können Betroffene gegen Verlustangst tun? 

    Viele unserer schmerzlichen Erfahrungen sitzen sehr tief, dennoch bedeutet das nicht, dass wir uns den damit verbundenen negativen Gedankengängen ausliefern müssen und wir nichts dagegen tun können. Nein, im Gegenteil, wir können lernen, mit unseren traumatischen Erlebnissen umzugehen, im Zuge dessen zu reifen, wieder ein Stück stärker zu werden und positiv in die Zukunft zu blicken. Selbsterkenntnis ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. Wir müssen unser Problem jedoch erst einmal erkennen und uns eingestehen. Dabei können uns wichtige Menschen, denen wir uns anvertrauen und von denen wir uns verstanden fühlen, helfen. Wenn wir über einen längeren Zeitraum immer wieder unter belastenden Ängsten dieser Art leiden, sollten wir uns nicht scheuen professionelle psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

    Die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland (KISS) hilft euch im Bedarfsfall gerne weiter. Kontakt: www.selbsthilfe-saar.de, Telefon: 0681 – 9602130, E-Mail: kontakt@selbsthilfe-saar.de, Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 10.00 – 16.00 Uhr, Donnerstag 10.00 – 18.00 Uhr, Freitag 10.00 – 14.00 Uhr, Futterstraße 27, 66111 Saarbrücken

    Wir wünschen Betroffenen den Mut sich ihren Ängsten zu stellen und das nötige Durchhaltevermögen um konsequent an sich zu arbeiten, um danach wieder glücklich leben zu können.

    „Das Leben beginnt dort, wo die Angst endet.“ [Unbekannter Autor]

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