Fachkräftemangel, gestiegene Energiekosten, digitaler Wandel – aktuell sehen sich auch im Landkreis viele Unternehmen vor große Herausforderungen gestellt, die es zu bewältigen gilt. Immer mehr Unternehmen kritisieren, dass ihnen das durch Bürokratie und Überregulierung zusätzlich erschwert wird.
Einer Allensbach-Umfrage zufolge bewertet die Hälfte der Unternehmen den bürokratischen Aufwand in Deutschland als groß, jedes fünfte sogar als sehr groß. Das kostet die Unternehmen in der aktuell ohnehin bereits angespannten Lage viel Zeit, Geld und personelle Ressourcen.
Auf Dauer sehen Unternehmer und Wirtschaftsexperten dadurch nicht nur den Bestand einzelner Unternehmen gefährdet, sondern den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland.
Mittelstand leidet besonders
Vor allem mittelständische Unternehmen haben mit den Zusatzbelastungen durch Regelwerke, Vorgaben und Gesetze zu kämpfen, denn ihnen mangelt es an den nötigen Ressourcen für die Umsetzung. Komplizierte, langwierige Genehmigungsverfahren, bürokratische Pflichten und immer mehr gesetzliche Regelungen stehen Flexibilität, Innovationskraft und Wandlungsfähigkeit im Weg. Dabei werden gerade sie im Wettbewerb immer wichtiger.
Beispielhafte Erhebungen des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) bei Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus ergaben allein auf der Bundesebene 375 Regelungen, die zu befolgen sind. Weitere Vorgaben durch Land, Kommune oder die EU kommen noch hinzu. Und das Regelwerk wächst stetig weiter. Weitere Belastungen erwarten Unternehmen durch das europäische Lieferkettengesetz und das Bundes-Klimaschutzgesetz.
Bürokratie gehört in Unternehmen zum Alltag
Es sind längst nicht nur die großen Prozesse, die in Unternehmen für bürokratischen Aufwand sorgen. Ein Beispiel dafür, wie aufwendig auch alltäglich Vorgänge sein können, liefert die Lohnabrechnung. An ihr kommt kein Unternehmen vorbei, das Mitarbeitende beschäftigt. Und in Deutschland müssen sich Unternehmen besonders viel Mühe mit ihr geben. Das zeigt der neueste „Global Payroll Complexity Index“ (GPCI). Der Index erfasst die Komplexität von Gehaltsabrechnungen im Ländervergleich und bezieht dabei Vorgaben zu Meldepflichten, Sozialversicherungsvorgaben, Abzügen oder Steuervorschriften mit ein. Deutschland liegt dabei auf dem zweiten Platz. Nur in Frankreich nimmt man es mit der Gehaltsabrechnung offenbar noch genauer.
Ohne gründliche Einarbeitung ins Thema und eine umfangreiche Gehaltsabrechnungs-Software können selbst kleine Unternehmen mit wenigen Mitarbeitenden ihre Lohnabrechnungen oft nicht mehr bearbeiten. Denn die Vorschriften fordern eine lückenlose Dokumentation für jede einzelne Abrechnung. Auch für die Mitarbeitenden ist die Lohnabrechnung im Ergebnis nicht immer leicht durchschaubar.
Konsequente Digitalisierung könnte Abhilfe schaffen
Zu viel Bürokratie lähmt nicht nur, sie bedeutet auch einen erhöhten Arbeitsaufwand. Das fordert Zeit und verursacht Kosten. Denn bürokratische Vorgänge benötigen personelle Ressourcen und – wie im Falle der Gehaltsabrechnung – immer häufiger auch spezielle Software-Lösungen.
Besonders hoch fällt der Aufwand oft im gastronomischen Bereich aus, in dem viele Sonderregelungen gelten. Hier beklagen Betriebe, dass bis zu 6 % des Umsatzes in die Umsetzung bürokratischer Vorgaben fließen.
Eine Vereinfachung der Bürokratie wird vonseiten der Politik immer wieder versprochen. Die praktische Umsetzung erweist sich aber offenbar in vielen Bereichen als schwierig. Denn wo es um die Lockerung oder Streichung von Maßnahmen und Regelungen geht, stehen mitunter Standards auf dem Spiel, die Sicherheit, Arbeitsschutz oder Umweltschutz gewährleisten sollen.
Dennoch Erleichterung bringen, könnte nach Meinung vieler Experten eine konsequente Digitalisierung, nicht nur vonseiten der Unternehmen, sondern vor allem auch bei Ämtern und Behörden. Einheitlich umgesetzt, könnte sie viele Vorgänge erleichtern und beschleunigen.