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  • Donnerstag, 9. November 2017,

    Wie dem E-Sport in Deutschland Steine in den Weg gelegt werden

    Vor 10 Jahren war der E-Sport hierzulande noch eine Nische, deren Anhänger immer mit einem neidischen Auge in Richtung Südkorea schielten, der ersten und bis heute immer noch größten Hochburg des digitalen Sports. Seitdem hat die Thematik jedoch einen explosiven Anstieg in jedem Aspekt erfahren: Mediale Präsenz, internationale Verbreitung, Finanzen und damit einhergehend Professionalität. Weltweit wächst die E-Sport-Szene immer mehr und wird um neue Disziplinen, wie u.a. „Overwatch“ oder „Rainbow Six“ erweitert. Die Generation der Digital Natives und Videospielbegeisterten macht es möglich. Doch trotz der drastisch wachsenden Bedeutung von E-Sport ist er in Deutschland, anders als z.B. in Russland, Italien oder den USA, nach wie vor nicht als offizieller Sport anerkannt. Woran das liegt und wie dies die hiesige Entwicklung des digitalen Sports einschränkt, könnt Ihr hier lesen.

    EPS XI Counter Strike: Global Offensive
    „EPS XI Counter Strike: Global Offensive“ by  (CC BY 2.0)

    Bürokratische Hürden

    Es  mag vielen Fans gar nicht bewusst sein, doch E-Sport ist eines der wenigen positiven Beispiele der Funktion eines freien Marktes. Immerhin hat sich das Medium seit dem Erscheinen von Klassikern wie „Warcraft 3“, „Starcraft“ und dem ersten „Counter Strike“ nur Dank Angebot, Nachfrage und der dadurch großen finanziellen Möglichkeiten seinen Weg zu seinem jetzigen Hoch erarbeitet. Mehrere Unternehmen,  darunter die Publisher der Spiele und die Sponsoren von Teams, Events und Arenen, stellen die finanziellen und medialen Mittel bereit, die den digitalen Sport ankurbeln. Leider ist gerade das der Dorn im Auge des DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund).

    Es sind nicht mehr die athletischen Aspekte, welche die Anerkennung des DOSB verhindern. Schließlich ist bewiesen, dass E-Sport ähnlich wie Motorsport und Schach eine feinmotoriklastige Sportart ist und als solche qualifiziert. Hier teilt der E-Sport das gleiche Schicksal wie Poker, das ebenfalls durch die Wirkungen des Internets immer beliebter geworden ist − beide gelten aufgrund mentaler und psychologischer verlangter Fertigkeiten andernorts als anerkannter Sport, genießen diesen Status aber nicht auf deutschem Boden. Der Grund dafür liegt an einer bürokratischen Feinheit. Es liegt daran, dass die professionelle deutsche E-Sport-Szene das vom DOSB geforderte Merkmal  der gemeinnützigen Organisationstruktur nicht aufweisen kann, da hier zahlreiche Unternehmen ihren Einfluss haben. Aufgrund dieser Begründung halten sich große Teile der deutschen Szene für dumm verkauft, immerhin verfügen die meisten professionellen und anerkannten Sportarten, wie z.B. Fußball, über Unternehmenseinflüsse, die dort sogar noch eine wesentlich größere Tragweite haben als im digitalen Sport.

    IMG_7642
    „IMG_7642“ by Jakob Wells (CC BY 2.0)

    Steine im Weg der deutschen E-Sport-Szene

    Es ist ein verzwicktes Dilemma, in dem die hiesige Szene sich nun wieder findet. Als vom DOSB nicht für geeignet gehalten, wird es keine staatlichen Zuschüsse oder anderweitige Förderungen geben. Ohne diese Förderungen wird es jedoch unmöglich, den professionellen E-Sport in Deutschland unter einer gemeinnützigen Organisation unter ein Dach zu bringen. Es ist ein Teufelskreis, aus dem es wohl keinen Ausweg gibt, solange die Richtlinien des DOSB nicht überarbeitet werden. Nun könnte man natürlich als passionierter Anhänger hierzulande erstmal mit den Schultern zucken und einfach alles so lassen wie bisher. Das ist durchaus eine Option und wird auch aller Wahrscheinlichkeit nach so vonstatten gehen. Nur darf man die Gefahren nicht vergessen, die die wachsende finanziellen Interessen und gleichzeitig die steigende finanzielle Abhängigkeit mit sich bringen,  die  durch das Wachstum der Szene und das Ausbleiben von staatlicher Förderung bedingt werden. Natürlich ist das alles Konjunktiv und nur die  Entwicklungen in den nächsten Jahren können Aufschluss darüber geben, ob solche Bedenken angebracht sind. Wir jedenfalls sind gespannt, wie sich der E-Sport hierzulande fort entwickeln wird und ob wir bald auch mit anderen, bezüglich dieses Themas progressiveren Ländern gleichziehen können.

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