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  • Mittwoch, 2. August 2017,

    Marpingen: Wie ich durch die Lüfte schwebte – Erlebnisbericht meines ersten Fluges mit einem Leichtflugzeug

    Ein wenig Angst und eine gute Portion Vorfreude begleiteten mich am vergangenen Mittwoch zum Marpinger Segelflugzentrum. Als kleines Dankeschön für den Artikel über das Zentrum lud mich der Zentrumsleiter Joachim Trautmann ein, die Erfahrung eines Segelfluges, selbst zu erleben. Denn Herr Trautmann ist der Meinung, wenn man über das Fliegen schreibe, „sollte man das schon mal erlebt haben“.

    Die Luft fühlte sich schwer an und es war unheimlich heiß, als ich auf der Anhöhe ankam. Freundlich begrüßte mich Herr Trautmann in seinem Büro und als ich ihm erzählte, dass ich ein wenig Angst vor dem Flug habe, meinte er nur ganz nüchtern zu mir, dass das nicht außergewöhnlich ist, denn „ wir sind ja schließlich nicht mit Flügeln auf die Welt gekommen“. Außerdem sei kein Wetter für einen Segelflug, so Herr Trautmann. Meine Vorfreude verschwand und Enttäuschung trat an ihre Stelle. Mein Wunsch, das St. Wendeler Land von oben zu sehen, schien wohl doch nicht in Erfüllung zu gehen. Natürlich erklärte mir der Zentrumsleiter sofort ausführlich, weshalb es bei einer solchen Wetterlage keine Thermik gibt, die ausreicht um mit einem Segelflugzeug länger in der Luft zu bleiben und ich bekam einen Eindruck davon, wie viel die Kunst des Fliegens mit Meteorologie zu tun hat. Irgendwo in meinem Gedächtnis klingelte es und ich erinnerte mich grob an Teile aus dem Erdkundeunterricht von denen ich dachte, ich hätte sie bereits längst vergessen. Allein die Überlegungen, ob man mit dem Segler losfliegen kann oder nicht erschien mir als eine Wissenschaft für sich. Überglücklich war ich dann als mir Herr Trautmann mitteilte, dass wir stattdessen Motorflugzeug fliegen könnten, da dieses aufgrund des Motors unabhängig von Aufwinden sei. Doch bevor es losging führte er mich noch durch zwei Flugzeughallen und erklärte mir viel Interessantes über die Bauweise und das Material unterschiedlicher Flugzeuge.

    Danach ging alles unheimlich schnell. Herr Trautmann zeigte mir den Motorflieger mit dem wir gleich starten würden und gemeinsam nahmen wir die Schutzplane vom Flieger ab und er zog das Flugzeug aus der Halle heraus. Ehe ich mich versah, saß ich schon im Flieger und starrte auf die vielen Anzeigen, die mir alle rätselhaft erschienen, bis mir der Zentrumsleiter erklärte wofür all dies gut war. Kaum hatte ich die Kopfhörer auf, ließ Herr Trautmann den Motor warm laufen und schon setzte sich das Flugzeug in Bewegung. Ich merkte fast nicht, wie die Räder den Boden verließen und wir in der Luft hingen. Schon nach kurzer Zeit waren wir auf der gewünschten Höhe von 600 Metern. Sollte ich den Flug nicht vertragen und mir übel werden, sollte ich mich sofort melden, doch ich war viel zu abgelenkt von dem Ausblick, der sich mir bot, sodass ich das gelegentliche Schaukeln durch sogenannte ‚Luftlöcher‘ überhaupt nicht realisierte. Zwar bin ich in meinem Leben schon oftmals mit Verkehrsflugzeugen geflogen, doch mit dem Flugerlebnis in einem Leichtflugzeug lässt es sich noch nicht mal annähernd vergleichen. Träumerisch schwebte ich über meine Heimat hinweg. Ich sah Dörfer, Straßen und Häuser aus einem Blickwinkel, der mir vorher verborgen blieb. Direkt nach dem Verlassen des Flugplatzes flogen wir über den Bostalsee hinweg. Bei dem guten Wetter war dieser natürlich gut besucht und die vielen Tretboote und Schiffe, sowie die vielen Menschen im Strandbad wirkten winzig klein unter mir. Alles wirkte wie eine Miniaturlandschaft und obwohl mir die Wälder und Dörfer der Umgebung sehr vertraut sind, sah alles aus der Vogelperspektive ganz anders aus. Ich war fasziniert und sprachlos, wusste überhaupt nicht, wo ich hinsehen sollte, da ich so überwältigt von dem Anblick war. Durch das Mikrophon an den Kopfhörern hörte ich Herr Trautmann fragen, wo ich wohnen würde, damit er mit mir über mein Heimatdorf fliegen konnte. Den Namen der kleinen Ortschaft kannte er zwar nicht, aber dafür flogen wir über den nächstgrößeren Ort. Wir flogen über Namborn hinweg und näherten uns St. Wendel. Die Kreisstadt sah sehr imposant aus. Der Globus wirkte riesig im Vergleich zu den anderen Gebäuden, jedoch von oben immer noch klein wie ein Legostein. Nachdem wir die Kreisstadt hinter uns gelassen hatten, war der ungefähr 15-minütige Flug auch schon wieder vorbei und wir landeten sehr sanft auf dem Flugplatz in Marpingen. Von diesem Erlebnis bin ich rückblickend immer noch überwältigt und ich bin mir sicher, dass ich dieses Ereignis mein ganzes Leben lang nicht vergessen werde.

    Wer das auch einmal erleben und unseren schönen Landkreis von Oben betrachten möchte, kann sich ganz einfach bei dem Zentrumsleiter Herr Joachim Trautmann unter der Telefonnummer  +49 (0)6853 4774 oder per Email an segelflugzentrum@aeroclub-saar.de melden.

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