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  • Mittwoch, 23. August 2017,

    Freizeitweg Freisen-Nohfelden-Nonnweiler: Baumaßnahmen beginnen

    Mit der aktuellen Vergabe der Projektsteuerung und Projektplanung an das Velobüro Saar hat der Landkreis St. Wendel offiziell mit der Umsetzung der Baumaßnahme des Freizeitweges Freisen-Nohfelden-Nonnweiler begonnen. Der 30 Kilometer lange Freizeitweg soll ein weiteres Highlight im Sankt Wendeler Land werden. Der Weg soll behindertengerecht sein und vielen Nutzergruppen zur Verfügung stehen, weshalb auch nur ein Ausbau in Asphalt in Frage kam. Der Ausbau wird voraussichtlich 5 Millionen Euro kosten. Landrat Udo Recktenwald: „Dies ist gut angelegtes Geld in eine Infrastruktur, die das bisherige Angebot an Rad-, Wander- und Freizeitwegen hervorragend ergänzt. Der 30 km lange Freizeitweg wird ein saarlandweites Highlight. Wir sind sicher, dass dieser landschaftlich herausragende Weg zu einem Erfolgsmodell werden wird mit dem wir zusätzliche Wertschöpfung erzielen können.“

    Genauso sieht es die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger, die eine Machbarkeitsstudie zu diesem Freizeitweg im September letzten Jahres in Freisen vorgestellt hatte. Das Land fördert den Ausbau mit 70 Prozent und spricht von einem neuen Leuchtturmprojekt. Die Vorstellung der Machbarkeitsstudie von Bernd Zollhöfer (Velobüro Saar) überzeugte die Bürgermeister Karl-Josef Scheer (Freisen), Andreas Veit (Nohfelden) und Dr. Franz Josef Barth (Nonnweiler), dass mit dieser ehemaligen Bahntrasse wichtige Sehenswürdigkeiten und Freizeiteinrichtungen in den Gemeinden optimal angebunden werden: Naturwildpark, Windpark, Mineralienmuseen, Burg Nohfelden, Bostalsee und Center Parcs, Keltenpark, Primstalsperre und der Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Auch als Alltagsradweg für die Schulstandorte Türkismühle und Freisen werde die neue Trasse eine wichtige Funktion übernehmen, ebenso werden größere Firmen wie zum Beispiel Hörmann in Freisen, die Betriebe im Gewerbegebiet Eckelhausen und die Unternehmen im Gewerbegebiet Otzenhausen, darunter Nestlé-Wagner, direkt angeschlossen.

    Hervorgehoben werden auch die möglichen Anschlüsse an das überregionale Radnetz: Saarland-Radweg, Rheinland-Pfalz Radweg, Nahe-Radweg, Primstal-Radweg, Fritz-Wunderlich-Weg und der Ruwer-Hochwald Radweg werden direkt angebunden, so dass Verbindungen von Trier, Kusel, Homburg bis nach Worms über den Barbarossaweg möglich seien.

    Durch die unmittelbare Anbindung an den neu gestalteten Bahnhof in Türkismühle können auch regionale Gäste im Sinne der Nachhaltigkeit mit der Bahn anreisen. Damit können zusätzliche Gäste, sowohl Tagesausflügler als auch Übernachtungsgäste, für das Sankt Wendeler Land gewonnen werden.

    Insbesondere im Radtourismus habe das Sankt Wendeler Land weit die Nase vorn, sagt Dr. Martina Scheer, Leiterin der Tourist-Information Sankt Wendeler Land: „Neben Radwandertouren mit ausgewiesenen Rundstrecken und vielen Verbindungswegen hat die Tourist-Information zudem neun Mountainbike-Touren und sieben Rundtouren für Rennradfahrer entwickelt.“

    Wie die neueste Radanalyse der Tourismus Zentrale Saarland von 2016 zeige, sind radfahrende Gäste eine wichtige Zielgruppe, nicht nur im Sankt Wendeler Land. Hochgerechnet auf das Jahr, passieren nachgewiesenermaßen allein 40.000 Radfahrer den Bostalsee (Messstation: Römerhof). Fast 80 Prozent der befragten Radfahrer waren Tagestouristen, 16 Prozent Radwanderer und immerhin 6,1 Prozent Regioradler, die über mehrere Tage unterwegs waren. Im Durchschnitt gibt jeder radfahrende Tagesgast 16 Euro aus. Diejenigen, die unterwegs einkehren, lassen im Schnitt nochmals 15 Euro in der Gastronomie. Radwanderer geben im Schnitt 75 Euro pro Tag aus, die Regioradler 79,33 Euro.

    Die Radanalyse 2016 zeige auch, dass sich jeder Radweg gemessen an den Entstehungs-, Unterhaltungs- und Marketingkosten und der erzielten Wertschöpfung „rechne“. Scheer: „Rechnet man die 40.000 Radler am Bostalsee auf die allgemeine Verteilung im Saarland laut Radanalyse um, so ergibt sich ein Bruttoumsatz von 1,2 Millionen Euro pro Jahr!“ Nicht zu unterschätzen seien die übernachtenden Gäste, im letzten Jahr 225.000 Menschen im Sankt Wendeler Land. Auch diese Gruppe komme wegen naturnaher Angebote, wie Radfahren oder wandern. Scheer: „85 Prozent der Befragten empfehlen die Radrouten weiter, ein Ergebnis, das nur durch ein durchdachtes und durchgängiges touristisches Konzept und den Gästewünschen angepasstes Radwegenetz erzielt werden konnte.“

    Gemessen an der zu erwartenden Wertschöpfung und den ökonomischen Ergebnissen im Vergleich zu den immens hohen Kosten für die Instandsetzung und Unterhaltung der Bahnstrecke, dem Wiederaufbau der Haltestellen sowie einem ständigen Zuschussbedarf für die Nutzung der Bahnlinie sei die Entscheidung, einem Freizeitweg vor einer Aufrechterhaltung einer Bahnlinie den Vorzug zu geben, absolut richtig. Hierin waren sich Ministerin, Landrat und Bürgermeister völlig einig.

    In diesen Überlegungen spielten auch die neuesten Zahlen einer Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) über die regionalökonomischen Effekte des Center Parcs Parks Bostalsee eine Rolle: Laut dieser Studie reisen nur 0,5 Prozent der Gäste mit dem ÖPNV an. Zum gleichen Ergebnis kommt die Mobilitätsstudie von 2015, die für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald erstellt wurde: Lediglich 3 Prozent der Befragten gaben an, mit dem ÖPNV in den Nationalpark fahren zu wollen. Insofern habe eine Erhaltung der Bahnlinie allein schon aus Nutzergründen keinen Sinn.

    Auch einen eventuellen Anschluss von Türkismühle nach Hermeskeil als Museumsbahn wurde in den Entscheidungsprozess einbezogen. Allerdings sind im nördlichen Saarland durch die Ostertalbahn und der 10 Kilometer langen Merzig-Büschfelder Eisenbahn zwei Museumsbahnen vorhanden, die aus Kosten- und Personalgründen nur an wenigen ausgewählten Tagen im Jahr Fahrdienste anbieten. Die Gleise in Freisen bis nach Wolfersweiler seien ohnehin schon etliche Jahre abgebaut.

    Auch eine parallele Nutzung der Bahntrasse durch Rad- und Bahnverkehr, wie vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) propagiert, sei unrealistisch. Die Strecke war in früheren Jahren zweispurig, das Gleis wurde aber auf Grund des Zustands der Strecke später in Mittellage gebracht. Ein Rückbau sowie die Neuverlegung der Gleise wären nur mit einem immensen Kostenaufwand möglich. Zudem wäre eine Trennung des Radweges zur Bahntrasse zum Schutz der Radfahrer notwendig und einige Zufahrten müssten umständlich und aufwendig angelegt werden.

    Schlussendlich war neben diesen Fakten die Kostenstruktur mit ausschlaggebend für die Entscheidung, einen Freizeitweg anzulegen. Scheer: „Die Kosten für die Anlage und Unterhaltung einer Bahntrasse als Freizeitwadweg sind marginal im Vergleich zu den Kosten zur Reaktivierung der Bahnstrecke und aus Nutzergründen nicht darstellbar. Die Mobilitätstudie ging 2015 von einem Kostenvolumen von 12 Millionen Euro für die Reaktivierung der Bahnlinie aus. Diese Kosten dürften heute wesentlich höher liegen, wobei die Kosten für den Bau und die Ertüchtigung von sieben Haltepunkten noch nicht einmal eingerechnet sind.“

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    Trotz aller Argumente für einen Freizeitweg halten das Land Rheinland-Pfalz, die „Interessengemeinschaft Nationalparkbahn“ und der VCD Saarland nach wie vor an Überlegungen fest, die Bahnlinie im saarländischen Teilbereich von Hermeskeil bis nach Türkismühle zu erhalten. Im Rahmen der Anlage des 48 Kilometer langen Ruwer-Hochwald Radweges wurden bereits die Gleise im rheinland-pfälzischen Teil zugunsten eines attraktiven Radweges abgebaut. Scheer: „Das Land Rheinland-Pfalz und die Interessengemeinschaft liebäugeln damit, einen Anschluss an den von Chinesen übernommenen Flughafen Hahn über Büschenbeuren, Thalfang bis Hermeskeil als öffentliches Naheverkehrsangebot zum Nationalpark herzustellen, vorbehaltlich eines Betriebskonzeptes, Streckenpachtung von der Bahn, der Höhe öffentlicher Zuschüsse, Trassenentgelte und der Kosten für Instandsetzung.“

    Die Museumsbahn Merzig-Losheim konnte erst durch Zuschüsse von einigen Hunderttausend Euro nochmals gerettet werden. Die Leiterin der Tourist-Information Sankt Wendeler Land äußerst sich hierzu: „Eisenbahnromantik ist hier nicht angebracht. Wir haben uns vor der Entscheidung, was aus der Bahntrasse wird, sehr eingehend mit allen Möglichkeiten auseinandergesetzt. Aus touristischen Gründen und Gründen der Wertschöpfung sind wir einhellig zum Ergebnis gekommen, einen behindertengerechten Freizeitweg anzulegen. Unsere Gäste würden nicht mit einer Museumsbahn von Büschenbeuren aus ins Sankt Wendeler Land anreisen. Die Idee ist absurd. Außerdem liegen die Haltepunkte der Hunsrückbahn weit außerhalb des Nationalparks, von wo aus ein funktionierender Busverkehr erst eingerichtet werden müsste. Dann ist es doch besser, wenn man Gelder investiert, um die Gäste von der gut bedienten Nahetalbahn zwischen Saarbrücken-Türkismühle und Mainz-Frankfurt in den Nationalpark zu bringen.“ Vom Bahnhof Türkismühle bestehen Busanbindungen über die R200 durch den Nationalpark bis nach Trier. Eine parallele Bahnverbindung sei nicht notwendig. Scheer: „Man darf gespannt sein, wann das Land Rheinland-Pfalz und die Interessengemeinschaft die Eisenbahnlinie durch den Hunsrück von Büschenbeuren bis nach Hermeskeil ausbauen und im Fortgang noch den Flughafen Hahn anschließen, denn den Abschnitt Hermeskeil-Türkismühle brauchen sie dazu nicht.“

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