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  • Donnerstag, 13. Juli 2017,

    Ein Fazit aus vier Jahren – Interview mit Parkleiterin Esther Puma vom Center Parcs Bostalsee

    Seit nunmehr vier Jahren existiert der Center Parc am Bostalsee. Zu diesem Anlass sprachen die St. Wendeler Land Nachrichten mit Leiterin Esther Puma, die ein überwiegend positives Fazit zieht:

    Wndn: Frau Puma, sind Sie mit der Entwicklung des Parks zufrieden?

    Frau Puma: Das kann ich mit einem ganz klaren „Ja!“ beantworten. Wir sind sehr zufrieden. Wir haben bei Center Parcs Budgetjahre, die von Oktober bis September gehen, somit sind wir im vierten Jahr. Wir sind mittlerweile bei einer sehr guten Belegung angekommen, die war eigentlich schon von Anfang an recht gut. Letztes Jahr hatten wir um die 580.000 Übernachtungen und wir werden dieses Jahr sogar über die 590.000 rausgehen. Das ist das Höchste, was wir bislang erreicht haben. Wir sind also wirklich mehr als zufrieden. Das entspricht auch ungefähr 74% Belegung auf Jahresbasis und unsere Budgets sind auf 70% gesetzt.

    Wndn: Ist das eine ähnliche Entwicklung im Vergleich zu Parks an anderen Standorten?

    Frau Puma: Ja, da sieht man auch, dass in den letzten zwei Jahren enormer Zuwachs gewesen ist. Ich denke auch, dass durch die allgemeine Unruhe, die in der Welt herrscht, einige Reiseziele für viele nicht mehr in Frage kommen, aber auch Mallorca als Ersatzurlaubsinsel kommt für viele nicht mehr in Frage.

    Immer mehr Leute sehen die Vorteile von Urlaub im eigenen Land und legen viel Wert auf Sicherheit und Natur, ein bisschen heimatverbunden. Das ist natürlich gerade das, wofür Center Parcs steht. Also das spielt sicherlich eine Rolle, keine Frage und das sieht man auch in den anderen Parks.

    Wndn: Wie gefällt es ihren Gästen generell im St. Wendeler Land?

    Frau Puma: Ganz gut, das muss man sagen. Ich warte noch auf die Ergebnisse von einer HTW-Studie, die nächste Woche veröffentlicht wird. Die HTW hat unsere Gäste befragt und ermittelt: „Was tun sie? In welche Richtung unternehmen sie was? Wie viel Zeit verbringen sie in und wie viel außerhalb der Anlage?“ Und so weiter. Natürlich bekommt man so ein bisschen mit und hat erste Eindrücke, aber das wirkliche Ergebnis wird wie gesagt nächste Woche präsentiert. Aber allgemein muss man schon sagen, dass der Gast zufrieden ist, gerade auch wenn es um den Bostalsee geht. Dieser kommt sehr gut an und die Gäste nutzen vor allem die Wander- und Radwege, natürlich aber auch die Einkaufsmöglichkeiten, direkt hier in der Umgebung. Also für uns ist das meistens Türkismühle oder Neunkirchen… die Tankstellen, die merken das auch ganz doll. Selbstverständlich aber auch das Bosiland, was ja auch zu unserer Zielgruppe passt. Das wird auch alles sehr positiv bewertet.

     

    Wenn wir dann etwas wetergehen, natürlich Saarbrücken, vor allem bei den holländischen Gästen, aber auch allgemein steht Trier als Ausflugsziel noch auf Nummer eins. Da gehen wir leider aus dem Saarland als Ausflugsziel ein bisschen raus. St. Wendel folgt aber auf Platz zwei. Wir haben eine Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft von St. Wendel, das sind glaube ich etwa 120 Betriebe, die dann Werbung für St. Wendel als Einkaufsstadt bei uns machen. Aber auch bei Großevents und das sind ja mittlerweile viele in St Wendel, bekommen unsere Gäste kleine Informationstaschen… Ich denke das wird auch von St. Wendel bestätigt, dass die sehr gut in Anspruch genommen wird, also doch viele dort hingehen. Dann gibt es natürlich die Ausflugsziele, die wir selbst intern bewerben und verkaufen. Also der Naturpark in Freisen ist recht hoch in der Bewertung, aber auch Godwana, für den wir aber keine Karten verkaufen. Da sieht man doch auch, dass man da oft kindgerecht guckt, weil eben viele Kinder dabei sind. Das wird alles also sehr postiv bewertet, aber die Gäste sind natürlich auch sehr zufrieden, dass wir im Park selbst so viel anbieten. Der Durchschnittsaufenthalt liegt immer noch bei 4 ½ Tagen und da muss der Gast sich ganz schnell zurechtfinden und schauen, was er in dieser Zeit alles machen kann. Es kommen aber auch sehr viele Gäste zurück, weil sie sagen, dass sie noch nicht alles getan und gesehen haben, weil sie einfach zu wenig Zeit hatten. Das ist natürlich auch sehr positiv für alle. Gerade auch die wiederkehrenden Gäste sind mehr gewillt, den Park dann auch zu verlassen, weil sie dort dann eben schon alles kennen. Aber auch gerade im Sommer kommt der Aufenthalt schon  fast in Richtung sieben Tage, weshalb man auch viel mehr Zeit hat. Da sieht man dann auch, dass die Gäste viel mehr rausfahren.

    Und Neunkirchen ist übrigens sehr gefragt mit dem Saarparkcenter. Auch wenn Saarbrücken mit der Europagalerie etwa dieselbe Entfernung hat, sagt unser Bauchgefühl, dass die Nachfrage doch nach dem Saarparkcenter viel höher ist. Auch da haben wir eine Kooperration, dass wir Werbung machen und andersrum. Die Geschäfte merken es da doch ganz deutlich, dass viele unserer Gäste zu ihnen kommen. Auch Luxemburg ist immer noch ein beliebtes Ausflugsziel, obwohl es doch schon weiter entfernt ist.

    Wndn: Wie wird der Park denn von der einheimischen Bevölkerung, gerade hier in der Region um den Bostalsee, angenommen?

    Frau Puma: Ich denke recht gut. Ich weiß, dass viele Gäste aus der Umgebung zu uns kommen, gerade an sonnigen Tagen.

    Wir bieten auch Führungen für regionale Gäste an, das sind meistens Verbände, Vereine oder Geschäfte, die eben gerne mal hinter die Kulissen gucken wollen. Da kommt dann in der Regel auch positive Rückmeldung, dass auch Befürchtungen, dass eben viele Massen kommen, man viel Verkehr hat, sich eben nicht bewahrheitet hat. Jetzt nach vier Jahren sieht man auch immer weniger Häuser, es fügt sich immer mehr in die Natur ein. Ich kann natürlich verstehen, dass man ein bisschen Angst hatte, als es hieß, dass 500 Häuser, fast schon ein kleines Dorf, dahin kommen. Aber ich glaube, dass die meisten Gäste da wirklich sagen, dass es sich einfügt und gar nicht so auffällt und es eher positiv sehen und selbst gucken, wie man eventuell mit seinem Geschäft oder persönlich als Friseur oder Physiotherapeut davon profitieren kann. Natürlich gibt es immer kritische Stimmen, aber ich denke da kann man doch eher eine positive Bilanz ziehen.

    Wndn: Also würden Sie schon sagen, dass der Park die Region positiv bereichert?

    Frau Puma: Absolut. Davon bin ich wirklich sehr überzeugt. Also dieser ganze Wandel im Saarland, weg von den Hütten, um dann eine ganz andere Branche zu bedienen.

    Man wird das Saarland nicht ganz auf die Tourismusbranche stützen können. Hier muss ich auch sagen, Achtung vor der Politik, dass man sich traut, in diese Richtung zu denken und sich nicht duckt und sagt „Nein wir sind kein klassisches Tourismusbundesland.“, sondern eher das Rad umdreht und fragt „Was können wir tun, damit wir eines werden?“. Wir haben ja wirklich eine wunderschöne Landschaft hier. Es ist Infrasturktur für Tourismus da, die Radwege und die wunderschönen langen Wanderwege. Das eben positiv zu sehen und es zu wagen hinsichtlich des Tourismus hier einen Wandel zu machen, ist meiner Meinung nach erfolgreich, dass sieht man ja an den Gästen, die ins Saarland kommen. Von daher denke ich mit, auch wenn wir nur ein kleiner Motor sind. Mit Tourismus, und damit meine ich alle Betriebe nicht nur Center Parcs, können wir das, worauf sich das Saarland früher gestützt hat, nicht auffangen. Dennoch ist der Tourismus auf jeden Fall ein sehr großer Motor für die Region, da ja auch viele Betriebe daran mitverdienen. Es sind ja nicht nur die Betriebe hier in der Umgebung, sondern auch die Zulieferer. Die profitieren alle mit. Somit denke ich schon, dass der Park sehr wichtig ist.

    Wndn: Sie hatten vor kurzem den Tag den offenen Tür, wo auch viele Vereine aus der Region die Möglichkeit hatten, sich vorzustellen und zu präsentieren. Haben Sie auch weitere Aktionen geplant, wo Sie die Menschen und Vereine gerade aus der Region in die Arbeit des Parks miteinbeziehen möchten?

    Frau Puma: Ja, unser nächstes Ziel wird es sein, einen Umwelttag zu organisieren, das gehört auch zu unserer Betriebsphilosophie. Noch haben wir das nicht getan, viele andere Parks haben dies schon, ob das jetzt die „Kids Watt Akademie“ an der Nordseeküste oder die Kids Climate Conference im Sauerland sind. Wir sind ISO 14001, also Umwelt-Audit zertifiziert und auch ISO 50001, also Energie-Audit, und wollen das auch mit unserem Programm hier vor Ort unterstreichen, indem wir zum Beispiel auch „Wannabe ein Bauer“ anbieten, dass wir eben das Bauernleben und eben auch den Kontakt zu Tieren gerade auch mit unserem Streichelzoo unterstreichen. Das zielt vor allem eben auf die Kinder, weil Familien mit Kindern einfach unsere Hauptzielgruppe sind. Darauf orientieren wir uns eben auch an einem solchen Tag. Wir führen Kinder dann auf eine lockere unterhaltsame, aber eben auch unterrichtende Art durch ein Programm, das umwelttechnisch interessant ist. Das ist also wie gesagt unser nächstes großes Projekt, was wir uns vornehmen. Wir haben uns auch als Kooperationspartner beim Nationalpark beworben. Wir gehen aber davon aus, dass wir dort aufgenommen werden, da wir eben auch Kriterien wie die Umweltzertifizierung erfüllen. Dann könnten wir dort eben auch mit den Rangern ein Programm machen.

    Ich muss auch sagen, dass wir den Tag der offenen Tür gemacht haben, weil wir eben 50 Jahre Center Parcs feiern wollten, aber wir waren davon auch selbst begeistert, sodasss wir gesagt haben, dass wir das eigentlich jedes Jahr machen können. Wir haben da auch die Preise mal drastisch runtergeschraubt, es gab vieles gratis, damit eben gerade die Gäste aus der Region uns kennenlernen können und die Vorteile unseres Angebotes sehen können. Es ist praktisch direkt neben der Haustür und doch wissen viele nicht, dass die Anlage nicht nur für Feriengäste da ist. Wir  sind eine offene Anlage, die von jedem zu nutzen ist.

    Bei solchen Veranstaltungen schauen wir auch immer, dass wir für einen guten Zweck spenden. Bei dem Tag der offenen Tür haben wir für das SOS Kinderdorf bei Merzig gesammelt und konnten einen Check von über 1000 Euro hinbringen. Das ist uns sehr wichtig.

    Wndn: Betrachtet man den Park als Wirtschaftsfaktor, würde es uns interessieren, wie viele Menschen gerade auch aus der Region zurzeit bei Ihnen beschäftigt sind?

    Frau Puma: Hier am Standort ungefähr 350 in den verschiedenen Bereichen… bei Center Parcs geht es von der Rezeption, den Animateuren, den Technikern, den Landschaftsarchitekten, den Bademeistern, aber auch der Verwaltung und so weiter, aber dann auch der Gastronomie, der Reinigungsfirma.. also hier am Standort sind es etwa 350 Mitarbeiter.

    Wndn: Dann möchten wir uns herzlich bei Ihnen bedanken, dass sie sich die Zeit genommen haben für das Interview.

    Frau Puma: Ja natürlich, sehr gerne!

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