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  • Mittwoch, 8. November 2017,

    Der vergessene Fast-WM-Teilnehmer beim deutschen Triumph

    image source: Wikimedia

    In Zeiten vieler Unabhängigkeitsdiskussionen wie in Katalonien oder zuvor Schottland lohnt sich oft ein Blick in die Vergangenheit. Das ist im Sport nicht viel anders. Bei einigen der ersten Fast-WM-Teilnehmer schüttelt heutzutage manch einer mit dem Kopf. Das Saarland soll etwa einmal als eigenständige Nation dabei gewesen sein? Verrückt, aber wahr.

    Die Geschichte des SFB

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    Im Juli 1948 folgte das Saarland einem Trend, der verschiedene Splitter-Verbände in der Fußball-Welt auftauchen und wieder verschwinden sah. Die Gründung des Saarländer Fußball-Verbandes SFB wurde in Sulzbach nahe Saarbrücken durchgeführt. Da das Saarland nach dem zweiten Weltkrieg erst einmal unter französischer Kontrolle stand, war nicht nur ein eigenständiger Verband eine Option, die in Betracht gezogen wurde. Stattdessen bot sich auch die Möglichkeit, dem französischen Verband FFF beizutreten. Eine Wahl hinsichtlich der Zugehörigkeit wurde bereits ein Jahr nach Gründung des SFB durchgeführt, doch die Mitglieder votierten gegen einen Wechsel ins Nachbarland und für die Unabhängigkeit. Weil das Saarland von den Vereinten Nationen als unabhängiger Staat angesehen wurde, war eine Bewerbung als FIFA-Mitgliedsstaat 1950 ebenso möglich und folgerichtig. Schon im Juni des selben Jahres wurde die Bewerbung angenommen und der SFB damit zum vollwertigen FIFA-Mitglied. Kurioserweise wurde der DFB erst drei Monate danach genau dies. Trotz allem sollten sich die Wege der beiden Teams bald entscheidend kreuzen. Während das Saarland sein allererstes Länderspiel gegen eine Schweizer Reserveauswahl erfolgreich gestalten konnte (5:3), ging es schon bald auf die Suche nach einem Trainer, der die Weltmeisterschafts-Qualifikation begleiten würde. Durch den Abschied der ersten Trainers Auguste Jordan in sein Heimatland Frankreich übernahm ein Wiesbadener den Posten an der Spitze. Es handelte sich um einen gewissen Helmut Schön, der zu jener Zeit den Zweitligaverein SV Wiesbaden trainierte und recht schnell zusagte. Einige der Spieler kannten ihren neuen Coach bereits aus dem Klubfußball, wo der FV Saarbrücken im Finale um die Deutsche Meisterschaft 1943 im Berliner Olympiastadion gegen den Dresdner SC mit dem späteren Trainer als Stürmer verlor. Demzufolge war auch die Beziehung mit dem Trainer überaus ordentlich und meist recht locker. Die Saarbrücker bildeten seit Beginn des SFB den größten Anteil der Nationalmannschaft, verständlicherweise als das Klub-Aushängeschild des Staates. Auch Borussia Neunkirchen war als späterer Bundesligist mehr oder weniger prominent vertreten.

    Ein Treffen mit dem DFB

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    Als vorerst wichtigste Amtshandlung für Helmut Schön stand eine Reise nach Norwegen auf dem Programm, wo das Saarland in Oslo auf die Gastgeber traf. Es war das erste Spiel der WM-Qualifikation, das tatsächlich erfolgreich gestaltet werden konnte. Ein 3:2 Sieg durch einen Siegtreffer von Gerhard Siedl bedeutete eine gute Ausgangslage für das Rückspiel daheim in Saarbrücken. Vor 40.000 enthusiastischen Zuschauern reichte ein 0:0 Unentschieden, um die WM-Chance aufrecht zu erhalten. Dass es letztlich doch nicht klappte, lag ironischerweise am DFB. Der spätere Weltmeister, der auch für die EM 2020 mit einer Quote von 6,00 zu den Topfavoriten gehört, war das dritte Team in der Gruppe, welches letztlich den Ausschlag zu ungunsten des Saarlands gab. In der ersten Auseinandersetzung zwischen den beiden Teams gewann Westdeutschland mit 3:0 in Stuttgart, bevor es im Rücksspiel in Saarbrücken einen fast ebenso deutlichen Erfolg (3:1) zu bestaunen gab. Das DFB-Team war fußballerisch überlegen und konnte natürlich auf einen deutlich größeren Pool an Spielern zurückgreifen, als dies im 950.000 Einwohner umfassenden Saarland der Fall war. Somit waren es letztlich die Deutschen, die zur Endrunde ins Nachbarland fuhren und das berühmte Wunder von Bern wahr machten. Helmut Schön realisierte 20 Jahre später seinen eigenen Traum und holte den Weltmeisterschaftstitel mit dem DFB im Münchner Olympiastadion gegen die Niederlande.

    Das Saarland spielte nach der WM-Qualifikation nur noch wenige Länderspiele, war insgesamt noch neun Mal aktiv. Ein Sieg, gegen Frankreichs B-Mannschaft, sprang dabei noch heraus, bevor das Kapitel Saarland als Nationalmannschaft am 6. Juni 1956 in Amsterdam beendet wurde. Gegen die Niederlande setzte es ein 2:3 Niederlage. Durch eine Wahl acht Monate vor dem Spiel entschieden die Bürger Saarlands gegen die Unabhängigkeit und damit effektiv für die entgültige Angliederung an Deutschland. Durch den Beitritt zur Bundesrepublik wurde der SFB ein Teil des DFB und die Spieler kamen ebenso für das gesamtdeutsche Team infrage. Immerhin einer war auch in der Lage, diesen Weg zu gehen. Heinz Vollmar, der in vier Länderspielen für das Saarland ebenso viele Tore erzielte, war am Ende insgesamt 12 Mal für den DFB aktiv und schoss dabei drei Tore. Besonders als Teil von Saarlands Nationalmannschaft geht er jedoch in die Geschichtsbücher ein.

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